Gartengestaltung

Mit Laub gestalten Teil 1: In der Sonne

2. August 2020

Beim Besuch in Gärten oder Gärtnereien fallen oft zuerst die Blüten auf und Pflanzen werden häufig wegen ihrer Blütenfarben- oder -formen für den Garten ausgewählt. Wir genießen die leuchtenden Farben und freuen uns an den Insekten, die die Blüten besuchen.
Die Pracht hält bei vielen Pflanzen jedoch nur für wenige Wochen im Jahr. Deshalb ist es umso besser, wenn die Pflanzen das ganze Jahr über oder zumindest während der Wachstumsperiode mehr zu bieten haben. Damit es nicht außerhalb der Blütezeit eher monoton im Beet zugeht, kann Laub so eingesetzt werden, dass immer etwas Interessantes zu sehen ist.

Dabei sind es im Grunde die gleichen Eigenschaften wie bei den Blüten, die die Blätter attraktiv machen: Farbe, Größe, Form und Textur. Und ebenso wie die Blüten wollen Blätter mit Bedacht ausgewählt werden – zu viel Auffälliges nah beieinander wirkt ebenso unruhig wie ein Durcheinander von Blüten verschiedenster Farben und Formen. Da kommt es uns gelegen, dass Grün im Garten kaum als Farbe angesehen wird und „einfache“ grüne Blätter uns als Puffer zwischen den besonderen Farben und Formen von Blättern und Blüten dienen. Andersherum wirkt es langweilig, wenn benachbarte Pflanzen sich wenig voneinander unterscheiden.

– Kontrastierende Blattfarben und Blattgrößen, -formen und -texturen bringen Spannung in eine Pflanzung.
– Ungewöhnliche, auffällige Blattformen wirken am besten, wenn sie sparsam eingesetzt werden.
– Eine Pflanze mit großen Blättern kann eine große Wirkung haben, wenn die übrigen Pflanzen kleines und mittelgroßes Laub haben.
– Entfernungen beeinflussen die Wirkung der Größe von Blättern. Eine Masse kleiner Blätter hat von Weitem betrachtet kein Gewicht; an einem Sitzplatz oder am Wegrand, wo sie aus der Nähe betrachtet werden können, können sie dagegen sehr wirkungsvoll sein. Große Blätter wirken auch von Weitem gut.
– Wenige große Blätter können in einem kleinen Gartenraum eine gute Wirkung erzielen.
– Die Textur eines Blattes beschreibt dessen Oberflächenbeschaffenheit. Ein Blatt kann z.B. glänzend oder matt sein, behaart, gewellt oder durch ein kräftiges Muster der Blattnerven wie gequiltet wirken. Auch hierfür gilt: gleiche oder ähnliche Oberflächen verbinden, gegensätzliche erzeugen Spannung.

Wie kombiniere ich nun Pflanzen anhand ihrer Blatteigenschaften?
Die besten Kombinationen sind ausgewogen in Harmonie und Kontrast. Sucht ihr einen Partner für eine Pflanze, schaut nach etwas, das in einem oder mehreren Blattmerkmalen (Farbe, Form, Größe, Textur) gleich oder ähnlich ist und in anderen unterschiedlich. Wenig Ähnliches und viel Unterschied setzt ihr da ein, wo es wirklich einen Hingucker geben soll. Unten zeige ich Beispiele für die Kombination von Pflanzen mit unterschiedlichen Blattmerkmalen.
Laubeigenschaften sind dabei nur ein Kriterium für Kombinationen. Form, Textur und Größe der ganzen Pflanze und der Blüten sowie Farbe und Muster von Rinden sind weitere Merkmale für die Wahl von Pflanzpartnern. Und bitte das Wichtigste nicht vergessen: Right plant – right place!

Schreibt mir doch ganz unten in die Kommentarfunktion, welche Laubkombinationen euch die liebsten für sonnige Beete sind!


Persische Kaiserkrone (Fritillaria persica), Pfingstrosen (Paeonia), Laubkontrast
Die Persische Kaiserkrone (Fritillaria persica) blüht im April/Mai, wenn die Pfingstrose austreibt. (Im Berggarten Hannover)

Die Pfingstrosen (Paeonia) bereichern schon im Frühjahr mit ihrem roten Austrieb das Beet, verdecken später verwelktes Laub von frühblühenden Zwiebelpflanzen und bereichern auch nach der Blüte noch mit ihrer runden Wuchsform und dem groben, dunkelgrünen Blattwerk. Im Foto oben kontrastiert das bläulich-grüne Laub der Kaiserkrone gut mit dem Rot der Pfingstrose.

Wollziest (Stachys byzantina),Mutterkraut (Tanacetum parthenium "Aureum", Laubkontrast
Gelbgrün und silbergrau, grob und fein

Durch die samtigen silbrigen Blätter des Wollziests (Stachys byzantina) schiebt sich das leuchtende Gelbgrün des Gelblaubigen Mutterkrautes (Tanacetum parthenium „Aureum“), das ab Juni kleine kamillenähnliche Blüten hat. Beim Wollziest fällt sofort die weiche Textur auf, die ihm im Englischen den Namen „Lamb’s Ears“ (Lammohren) gegeben hat: man möchte ihn immerzu streicheln. Für mich gehört Wollziest in jeden Garten für Kinder!

Dunkellaubiger Storchschnabel (Geranium pratense-Hybride "Dark Reiter")
Dunkellaubiger Storchschnabel (Geranium pratense-Hybride „Dark Reiter“)

Der dunkellaubige Storchschnabel „Dark Reiter“ ist auch nach der Blüte noch ein Hingucker zwischen den mittelgrünen Blättern drumherum.

Bergenie (Bergenia "Pink Dragonfly") und Mühlenbeckie (Muehlenbeckia complexa), Laubkontrast
Größenvariation: Grobes und feines Laub in der gleichen Farbe

Hier verbinden die Bergenie (Bergenia „Pink Dragonfly“) und die Mühlenbeckie (Muehlenbeckia complexa) der gleiche Grünton und die glänzende Blattoberfläche, die kleinen Blätter kontrastieren mit den großen.

Laubkontrast, Funkie (Hosta "Halcyon"), rotes Purpurglöckchen
Klassische Blattschmuckstauden: Purpurglöckchen und Funkie

Die bläuliche Funkie (Hosta „Halcyon“) passt gut zum rot glänzenden Purpurglöckchen. Verschiedene Blattformen (gerundet und gelappt) und Oberflächen (matt und glänzend) unterstreichen den Kontrast, ebenso die unterschiedlichen Muster der Blattnerven.
Die Funkie mag es schattig, kommt bei genügend Feuchtigkeit aber auch mit hellen Standorten zurecht. Rote Purpurglöckchen mögen es sonnig, im Schatten vergrünen sie.

Laubkontrast, Purpurglöckchen (Heuchera „Key Lime Pie“), Gold-Segge (Carex oshimensis „Evergold“), rotlaubiger Günsel (Ajuga reptans "Elmblut“)
Leuchtender Kontrast für Sonne bis Halbschatten

Zwischen dem gelbgrünen Purpurglöckchen (Heuchera „Key Lime Pie“) und den Blättern des rotlaubigen Günsels (Ajuga reptans „Elmblut“) vermittelt das grasartige Laub der Gold-Segge (Carex oshimensis „Evergold“), das mit seinen hellen Mittelstreifen das Hellgrün der Heuchera aufnimmt.

Laubkontrast, Süßkartoffel (Ipomoea batatas), Buntnessel (Plectranthus scutellarioides)
Einjährige Blattschmuckpflanzen für einen sonnigen Standort

Auch einjährige Pflanzen können mit ihren Blattfarben glänzen, so kann man Beetlücken für eine Saison gestalten.
Das helle Grün der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) kehrt in der Zeichnung am Rand der Buntnessel (Plectranthus scutellarioides) wieder, dadurch sind die Pflanzen optisch verwandt. Die Blattform ist ebenfalls ähnlich, der Farbeindruck insgesamt aber lebendig kontrastierend.

Laubkontrast, Silberpolster-Ehrenpreis (Veronica spicata "Silberteppich"), Blauschwingel (Festuca glauca)
Form-Variation in blau-grau

Der Silberpolster-Ehrenpreis (Veronica spicata „Silberteppich“) mit den länglich-ovalen Blättern passt farblich zu den feinen Halmen des Blauschwingels (Festuca glauca). Die Kombination wirkt ruhig, aber nicht langweilig. Im Juni und Juli hat der Ehrenpreis aufrechte blaue Blütenkerzen.

Laubkontrast, Bronzefelberich (Lysimachia ciliata "Firecracker" und Euphorbia, Wolfsmilch
Rot-grün-Kontrast

Der ausläuferbildende Bronzefelberich (Lysimachia ciliata „Firecracker“) hat dunkelrote länglich-ovale Blätter, die Wolfsmilch (Euphorbia) hellgrüne rundliche Hochblätter.

Laubkontrast, Schlitzahorne (Acer palmatum)
Schlitzahorne (Botanischer Garten Bielefeld)

Die beiden Schlitzahorne (Acer palmatum Sorten) verbindet die gleiche Blattform, sie kontrastieren in der Farbe.

Laubkontrast, Gelbbunter Eschenahorn (Acer negundo "Aureo-Variegatum")
Verschiedenfarbige Bäume

Das geht natürlich auch mit Bäumen: der Gelbbunte Eschenahorn (Acer negundo „Aureo-Variegatum“) leuchtet zwischen den ähnlich grünen Laub- und Nadelkleidern seiner Nachbarn hervor.

Was sind eure liebsten Laubkombinationen? Unten könnt ihr dazu einen Kommentar hinterlassen!

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