Querbeet

Entschuldigung, sprechen Sie botanisch?

10. Oktober 2020

Wozu braucht man eigentlich botanische Namen? Oder: Ist das alles Gärtnerlatein?

Wortwolke botanische Namen
Wer findet den Fehler?

Gibt man in der Google-Suche „Butterblume“ ein und sucht nach Bildern, so erscheinen viele Aufnahmen von Löwenzahn (Taraxacum officinale) und verschiedenen Hahnenfußarten (Ranunculus), das hatte ich erwartet. Aber auch Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Scharbockskraut (Ficaria verna), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Trollblume (Trollius europaeus) und gelbe Ranunkeln (Ranunculus asiaticus) erscheinen unter diesem Namen. (Und weiter unten natürlich verschiedenes andere wie eine fröhlich lächelnde junge Frau, die uns eine Nähanleitung erläutern möchte, die gelbe Küchenmaschine eines trendigen amerikanischen Herstellers, Strickgarn aus einer Wolle/Seide-Mischung und eine Katze mit gelblichem Fell – wir sind ja bei Google.) Aber welche der Pflanzen ist nun wirklich die Butterblume?

Namensdurcheinander

Namen, mit denen Pflanzen im Volksmund bezeichnet werden, können sich von Region zu Region unterscheiden. Die gleiche Pflanze kann an verschiedenen Orten unter verschiedenen Namen bekannt sein. So heißt der Löwenzahn in Norddeutschland „Butterblume“, in anderen Gegenden sind Namen wie „Saublume“, „Kuhblume“ und eine ganze Reihe anderer Bezeichnungen gebräuchlich. Der Name „Pusteblume“ ist sicherlich weit verbreitet.
Ebenso kann ein Name in verschiedenen Regionen verschiedene Pflanzen bezeichnen, wie eben „Butterblume“ mehrere Pflanzen mit gelben Blüten bezeichnet.
Dadurch ist es manchmal schwierig, eine Pflanze eindeutig zu identifizieren oder eine Pflanze zu kaufen, wenn man keine genauen Namen hat. Wenn nun jemand einen Garten anlegen möchte, für den jemand anders den Pflanzplan gezeichnet hat, muss er sicher sein, welche Pflanzen gemeint sind.

Botanische Bezeichnungen

Zur eindeutigen Bezeichnung für Pflanzen nicht nur im gleichen Sprachraum, sondern weltweit gibt es die wissenschaftlichen Namen. Sie basieren auf dem Lebenswerk des schwedischen Naturforschers Carl von Linne, (1707-1778) der sich zur Aufgabe gemacht hatte, Tiere und Pflanzen in ein System einzuordnen. Dabei beschrieb er deren Merkmale genau und ordnete ähnliche Pflanzen einander zu.

Die botanischen Namen bestehen aus einem Gattungsnamen, der groß geschrieben wird und dem Namen der Art, der klein geschrieben wird. Die verschiedenen Sorten, die durch Auslese gefunden wurden oder durch Züchtung entstanden sind, stehen in Anführungszeichen dahinter. Zum Beispiel Achillea millefolium „Lilac Beauty“: Achillea ist die Gattung der Schafgarben, von denen es verschiedene Arten gibt. Diese Art ist millefolium, die Sorte ist „Lilac Beauty“.
(Es geht noch komplizierter mit Formen, Unterarten, Kreuzungen verschiedener Gattungen, …, aber das soll hier ausreichen).

Nomen est omen oder was die Namen verraten

Wenn man weder mit der Botanik viel am Hut hat, noch sprachaffin (oder gar „Grieche“ oder „Lateiner“ ist), kann man als Laie damit wohl erst mal wenig anfangen und für angehende Gärtner kann das eine anstrengende Lernerei sein. Tatsächlich verraten aber die botanischen Namen oft etwas über die Pflanzen, die sie bezeichnen.

Die Gattung ist oft ein Name aus dem Griechischen oder Lateinischen, aus der Mythologie oder der des Entdeckers einer Pflanze.
Echinacea (Sonnenhut) kommt vom griechischen Wort „Echinos“ für Seeigel und beschreibt das stachlig aussehende Zentrum der Blüte.
Artemisia (Beifuß) erinnert an Artemis, die griechische Göttin der Jagd und des Waldes.
– Die Gattung Hosta (Funkie) ist benannt nach dem Kroatischen Botaniker Nicholas Thomas Host.

Die Artbezeichnung kann sein:
– eine Beschreibung der geografischen Herkunft der Pflanze (Land, Gegend, Kontinent)
z.B. chinensis – aus China, colchicus – Schwarzmeer-, europaeum – aus Europa
– eine Beschreibung des Lebensraums der Pflanze
z.B. sylvatica – aus dem Wald, pratense – auf der Wiese, pallustris – aus dem Sumpf
– die Beschreibung einer Eigenschaft der Pflanze
z.B. albus – weiß, cordata – herzförmig (Blätter), elegantissima – sehr zierlich
– der Name eines Botanikers oder Gärtners
z.B. fortunei – benannt nach dem Pflanzenjäger Robert Fortune, sieboldii – nach Philipp Franz von Siebold, einem
bayerischen Arzt und Botaniker

Durch die modernen Möglichkeiten, die Gene von Pflanzen zu analysieren, stellte sich heraus, dass einige Pflanzen, die bisher einer Gattung zugeordnet waren, nicht so eng verwandt sind, wie bisher angenommen wurde. Andere wiederum, die in verschiedene Gattungen eingeordnet waren, sind enger verwandt als gedacht. Manchmal sieht eben das Kind der Oma nicht ähnlich und ist doch verwandt mit ihr.
Darum werden Pflanzen neu eingeordnet und bekommen dadurch neue botanische Namen. Die neuen Namen sind aber wieder eindeutig, die alten werden ungültig und gelten als Synonym. Also gibt es immer wieder Neues zu lernen. Die deutschen „Alltagsnamen“ bleiben zum Glück davon unberührt.

Gerade habe ich erfahren, dass jetzt der Rosmarin ein Salbei ist und auch die Blauraute neuerdings zum Salbei gehört. Rosmarinus officinalis heißt jetzt Salvia rosmarinus und Perovskia atriplicifolia wird nun zu Salvia yangii, das werde ich mir merken …

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