Gartengestaltung

Farbe im GartenTeil 1: Aller Anfang ist grün

1. August 2021
Das Spiel von Licht und Schatten in einem Waldstück
Das Spiel von Licht und Schatten in diesem Park tut der Seele gut! (Bundesgartenschau Rathenow, 2015)

Die erholsame Wirkung von Grüntönen

Der überwiegende Teil unserer Pflanzen hat grüne Blätter und im Frühling nehmen wir nach der langen, tristen Winterzeit den frischen Austrieb in all seinen Nuancen besonders intensiv wahr. Zusammen mit der zunehmenden Wärme sorgt er für ein gesteigertes Wohlbefinden, neuen Schwung und Lebensfreude.
Die Grüntöne vieler Pflanzen verändern sich im Laufe des Jahres von hellem Grün, an dem man sich nicht satt sehen kann, zu dunklerem, matterem Grün. Wie gut tut ein Spaziergang durch einen Buchenwald im Mai, schon allein wegen des Spiels der Sonnenstrahlen mit dem zartgrünen Laub!
Wenn wir aus der Stadt herausfahren, fahren wir ins Grüne, nicht ins Bunte. Grün verbinden wir mit Ruhe und Erholung und die Parks – die grünen Lungen der Stadt – geben uns Gelegenheit zum bewussteren Durchatmen.

Kleine Grünanlage in London
„Grüne Lunge“ in der Stadt: kleine Grünanlage in London

Grün im Garten bewusst verwenden

Wenn wir ein neues Beet oder einen kompletten Garten planen, ist der größte Wunsch oft, dass alles üppig blühen soll. Wir denken vielleicht an das Strahlende Gelb der Sonnenblumen, kräftig blauen Rittersporn, rosa Rosen oder leuchtend rote Montbretien. Aber Grün haben wir erst mal nicht auf dem Schirm.
Dennoch ist Grün in den meisten Gärten allgegenwärtig und die wichtigste Farbe überhaupt! Grün ist im Garten die Basis für alle anderen Farben, und sie sorgt auch hier für Ruhe und Wohlbefinden. Ein Garten kann ausschließlich in dieser Farbe gehalten sein und trotzdem gut aussehen. (Nicht, dass ihr mich falsch versteht: ich plädiere für blütenreiche Gärten, auch wegen unserer Insekten. Aber dazu kommen wir ab Farbe im Garten Teil 2)

Grün kann bewusst eingesetzt werden, um bestimmte Wirkungen zu erzielen und eine Anlage abwechslungsreich zu gestalten.
Wir empfinden die Farbe Grün neben braun, grau, schwarz und weiß im Garten als neutrale Farbe, und es kann als Puffer wirken zwischen Blütenfarben, die sich direkt nebeneinander beißen würden. So können immergrüne Sträucher oder einige Gräser als Ruhepol zwischen „wilden“ Farbkombinationen eingesetzt werden und Stauden, die zu einem anderen Zeitpunkt blühen, können Farben auf Abstand voneinander halten.
Auch die Trennung von Beeten mit verschiedenen Farbkombinationen durch ein Rasenstück gibt dem Auge Gelegenheit, zwischen den unterschiedlichen Eindrücken auszuruhen.

Buntes Blumenbeet
Ohne Grün würden hier Knallrot und Pink unschön aufeinander prallen. (Staudengärtnerei Gaißmayer, Illertissen)

Vielfalt der Grüntöne

Dabei ist Grün nicht gleich Grün: es gibt so viele unterschiedliche Töne und das ist gut so, denn Sträucher, Stauden und Rosen blühen nur einige Wochen im Jahr. Den Rest der Vegetationsperiode über bleibt ihnen nur das Blattwerk, um gut auszusehen. Durch die verschiedenen Farbnuancen der Blätter muss der Garten auch ohne Blüten nicht langweilig aussehen.
Die Farbpalette meiner Aquarell-Buntstifte beinhaltet 21 Grüntöne, von gelblichem Maigrün über graues Erdgrün und helles Lichtgrün, bräunliches Olivgrün und dunkles Tannengrün bis hin zu bläulichem Phthalogrün – dennoch fällt es mir beim Zeichnen von Pflanzen manchmal schwer, den richtigen Grünton zu finden: die Natur ist einfach vielfältiger!

Verschiedene Nuancen und Helligkeitsstufen von Grün
Verschiedene Nuancen und Helligkeitsstufen von Grün

Dunkles und helles Grün

Dunkle Grüntöne im Hintergrund lassen die Farben von hellen Blüten im Vordergrund besonders gut zur Geltung kommen. Besonders geschnittene Eibenhecken geben Beeten nicht nur einen gepflegten Rahmen, sondern steigern noch die Leuchtkraft der Blüten. Sie werden in England häufig als Kulisse für Staudenbeete oder mixed borders verwendet.

Helle Grüntöne können schattige Gartenecken aufhellen, und mit Hell- und Gelbgrün lassen sich spannende Kontraste zu anderem Blattwerk sowohl in der Sonne als auch im Schatten erzeugen. Das kann dazu beitragen, dass eine Pflanzung auch dann nicht langweilig wird, wenn gerade nichts blüht. (Tipps und Beispielfotos zum Gestalten mit Blättern findet ihr in den Beiträgen „Mit Laub gestalten“ Teil 1 und Teil 2.)


Allerdings solltet ihr Laub mit hohem Gelbanteil mit Bedacht einsetzen. In kleinen Gruppen oder als Band zwischen dunkleren grünen Flächen kann es einem Garten einen wahren Frischekick geben. Ohne diesen Gegenpol kann die Wirkung kippen und der Eindruck entstehen, die Pflanzen seien krank. Die Blätter wirken dann nicht mehr saftig, sondern erinnern an Pflanzen mit Mangelerscheinungen:

Rundes Beet mit unruhiger Bepflanzung
In dieser Pflanzung fehlt nach meinem Geschmack etwas dunkleres, ruhigeres Grün als Ruhepol und in der Menge wirken die hellgrünen Blätter etwas kränklich.

Gleiche oder annähernd gleiche Grüntöne wirken unterschiedlich, wenn sie nebeneinander in verschiedenen Blattformen auftreten. So lassen sich benachbarte Pflanzen über die Laubfarbe harmonisch miteinander verbinden. Durch die verschiedenen Formen entsteht ein milder Kontrast, wodurch die Kombination nicht langweilig wird.

Viele Pflanzen gibt es auch in panaschierten Sorten. Ihre Blätter vereinen schon mehrere Grüntöne in sich und sind damit Hingucker zwischen ähnlich gefärbtem Blattwerk. (Mehr dazu findet ihr hier.) Ein mehrfarbiges Blatt kann unter Umständen ebenso wirkungsvoll sein wie Blüten, und es trägt die gesamte Vegetationsperiode oder sogar das ganze Jahr über zum Gartenbild bei.

Accessoires in Grün

Leuchtend grüne Stühle in einem Garten
Die grünen Stühle bringen Frühlingsfrische in den Garten

Gartenmöbel, Rankgerüste, Zäune oder Dekorationen sind meistens neutral in Holz oder schwarz, weiß oder in Graunuancen gehalten. Oder sie werden als zusätzlicher Farbtupfer in Rot-, Gelb-, Blau- oder anderen Tönen gestrichen. Kräftiges, helles Grün begegnet uns da seltener, kann aber auch richtig frisch wirken, wie die Stühle im Bild oben zeigen!
Dunkelgrüne Accessoirs und Möbel dagegen nehmen sich optisch zurück und verschwimmen mit dem übrigen Grün des Gartens.

Zu guter Letzt doch noch Blüten!

Zum Schluss kommen wir nun doch noch zu den Blüten: es gibt sie schließlich auch in Grün! Auch hier gibt es verschiedene blassere und leuchtendere Nuancen. Grüne Blüten sind unaufdringlich und halten sich meistens neben anderen zurück. Bei manchen muss man zweimal hinsehen, um sie wirklich wahrzunehmen, und vielleicht sind manche von ihnen vor allem für Gartenfreaks interessant.
Da sie sich farblich zurücknehmen, passen sie zu allen anderen Farben und stören in keiner Zusammenstellung. Hier eine kleine Auswahl:

Einige Pflanzen entfalten ihre Blüten nicht sofort in der endgültigen Farbe, sondern erblühen anfangs in Grün und färben sich dann um. So zum Beispiel der Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea) „Green Envy“, die zierliche Akelei (Aquilegia) „Green Apples“ und die Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) „Limelight“ und ihre kleine Schwester „Little Lime“.

Die Blüten der Rispenhortensie „Lime Light“ sind zunächst hellgrün, werden dann weiß und bekommen im Verblühen einen Rosaton. (Schaugarten Noack, Gütersloh)

Welche sind eure liebsten Blattschmuckpflanzen? Welche Kombinationen in Grün liebt ihr in eurem Garten am meisten? Wie sind eure Erfahrungen damit? Schreibt mir doch unten einen Kommentar dazu!

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Bitte schreibt mir hier einen Kommentar:

Vielleicht mögt ihr auch