Gartengestaltung

Gartenräume

25. Oktober 2020

Warum Gartenräume schaffen?

Wird der Garten in mehrere Räume aufgeteilt, kann er nicht mit einem Rundumblick erfasst werden und erscheint größer. Er wirkt interessanter, weil er nach und nach betrachtet wird. Man geht von einem Raum in den anderen und sieht sich dort um. Gartenräume, die ganz von „Wänden“ verborgen sind, haben einen besonderen Reiz. Sie machen neugierig darauf, was es wohl dahinter zu entdecken gibt.

Den Garten in Räume zu gliedern kann eine gute Möglichkeit sein, neuen Schwung ins Design zu bringen, z.B. wenn die Kinder größer geworden sind und keine großzügige Rasenfläche mehr zum Spielen gebraucht wird. Oder jemand hat mehr Zeit als vorher und hat für sich den grünen Daumen als Hobby entdeckt …

Der Blick durch die dichte Hecke macht neugierig auf den Raum dahinter.
Der Blick durch die dichte Hecke macht neugierig auf den Raum dahinter. (Gesehen in den Tuinen van Appeltern)

Wenn wir einen Garten neu anlegen, denken wir oft zuerst an die Grenzen: soll es hohe Hecken geben, die jeden Einblick verwehren? Eine lockere Hecke aus Laub abwerfenden Sträuchern, die Vögeln Nahrung bietet und im Winter Ein- und Ausblicke zulässt? Oder eine immergrüne Hecke, die das ganze Jahr dichten Sichtschutz gibt? Soll ein Zaun die Grenze markieren und den Zugang verwehren, eine Mauer oder ein Friesenwall den Garten nach außen abgrenzen?
Unsere Häuser haben auch nicht nur Außenwände, innerhalb des Hauses trennen wir Räume voneinander ab, richten sie ihrer Nutzung entsprechend ein und machen es uns gemütlich.
Genauso können wir im Garten Zimmer anlegen:
– einen Raum zum Feiern, groß genug für die Zahl von Gästen, die wir gern einladen, eingerichtet mit einem großen Esstisch und Stühlen, Pflanzen in lebendigen Farben, vielleicht Kübelpflanzen
– einen Ort zum Ausruhen mit Platz für eine Liege oder Hängematte, vielleicht im Schatten und mit plätscherndem Wasser von einem Quellstein
– ein Zimmerchen zum Meditieren, weiter entfernt vom Haus und vielleicht ganz verborgen
– ein Fleckchen mit besonders schönem Morgenlicht für die Frühgymnastik …
Außerdem könnt ihr in verschiedenen Räumen Farben verwenden, die euch zusammen nicht gefallen würden. Oder ihr experimentiert mit monochromen Gartenzimmern wie Vita Sackville-West mit ihrem berühmten weißen Garten in Sissinghurst.

Wie gestalte ich Gartenräume?

Wände: Gartenräume sind voneinander abgegrenzt. Die Unterteilung kann durch Hecken oder Zäune entstehen. Ein Zimmer kann unter einer Pergola Platz finden oder in einem Pavillon. Stauden, Kletterpflanzen an Rankgerüsten oder eine Reihe hoher Gräser können Gartenräume dynamisch abgrenzen: je höher die Pflanzen im Laufe des Jahres werden, um so mehr schirmen sie die Blicke ab. Und schließlich kann eine Hauswand oder die Wand eines Schuppens einen Raum begrenzen. Dabei müssen die „Wände“ nicht unbedingt hoch sein. Eine kniehohe Buchsbaumreihe oder ein niedriges Obstspalier kann ausreichen, um zu zeigen: „Hier beginnt etwas Neues.“

Ein Pavillon aus Weidenblättriger Birne (Pyrus salicifolia)
Ein Pavillon aus Weidenblättriger Birne (Pyrus salicifolia): welcher Nutzung mag der Raum dienen? (gesehen in Bury Court)
Eine aus Buchsbaum modellierte Landschaft gibt dem Sitzplatz einen Rahmen.
Eine aus Buchsbaum modellierte Landschaft gibt dem Sitzplatz einen Rahmen, ist aber überschaubar. Die Hainbuchenhecke im Hintergrund gibt zusätzlich Halt. (Tuinen van Appeltern)

Böden: Unterschiedliche Bodenbeläge machen deutlich: hier betrittst du einen anderen Bereich. Pflaster, Rasen, Mulch, Kies oder Splitt geben uns schon beim Darübergehen ein anderes Gefühl. Es sollten nur nicht zu viele verschiedene Materialien sein, denn dann verliert der Garten seine Einheit. (Auch ein spannendes Thema, darüber schreibe ich noch einen weiteren Artikel …)

Übergänge zwischen Räumen schaffen

So wichtig wie die Gestaltung der Räume sind auch die Übergänge zwischen den „Zimmern“. So kann man durch ein Tor, eine Pergola oder einen Rosenbogen von einem Raum in den anderen gelangen.
Kübelpflanzen, zwei gleiche Sträucher oder Formschnittgehölze auf beiden Seiten des Durchgangs oder ein besonderer Baum unterstreichen den Wechsel in einen anderen Gartenteil. Verengt sich der Weg in einem sonnigen Bereich, könnt ihr hier gut eine duftende Rose platzieren: man kommt ihr ganz nah und muss einfach schnuppern!

Räume in unserem Garten

Jetzt zeige ich euch die Räume in unserem Garten. Kommt doch rein!

Den Übergang vom mehr „öffentlichen“ Vorgarten, der uns und unsere Gäste begrüßt, zum hinteren privaten Garten bildet der schmale Streifen seitlich am Haus. Dabei ist er zugleich ein eigener Gartenraum. Der aus Naturstein gelegte Kreis auf dem Boden grenzt an ein Mäuerchen an der Hauswand, auf der eine Hosta im Topf steht. Dieser Bodenbelag lässt innehalten und das unterschiedliche Blattwerk der Pflanzen betrachten, das den Reiz dieses Raumes ausmacht. Der Rasenweg führt schließlich hinter dem Rhododendron am Ende … ja, wohin?

Der Weg verschwindet hinter dem Rhododendron und macht neugierig auf das, was hinter der Kurve liegt.
Der Weg verschwindet hinter dem Rhododendron und macht neugierig auf das, was hinter der Kurve liegt.

Unser zweiter Sitzplatz ist von einer Natursteinmauer gerahmt. Sie umgibt ihn wie eine Wand, gibt der Sitzgruppe Rückhalt und strahlt abends Wärme ab. Der Platz liegt tiefer als die Rasenfläche. Die Stufen sind ein deutlicher Übergang und der Kiesbelag am Boden unterstreicht das Gefühl, einen neuen Raum zu betreten.

Der abgesenkte zweite Sitzplatz
Der abgesenkte zweite Sitzplatz

In unserem Garten wurde ein Beet auf der Westseite weit bis in die Mitte des Gartens verlängert. Dieses Beet haben wir dann mit der Grundstücksgrenze im Süden verbunden. Mein Mann holte sich Weidenruten vom Nachbarn und baute einen wunderschönen Weidenzaun, und ich bekam endlich meinen Rosenbogen! So entstand ein weiterer Gartenraum.

Hier ist der Weidenzaun noch neu und die Kletterrosen sind noch klein.
Hier ist der Weidenzaun noch neu und die Kletterrosen (Rosa „Utigord Falls“) sind noch klein. Dennoch ist der Raum klar abgegrenzt.
Clematis "Etoile Violet" hat den Zaun erobert.
Inzwischen hat Clematis „Etoile Violet“ den Zaun erobert.
Am Rosenbogen wächst die Kletterrose "Laguna".
Man kann ab Juni kaum noch durch die Wände dieses Raums hindurchsehen. Es entsteht Spannung, was wohl dahinter zu entdecken ist. Rechts am Rosenbogen wächst jetzt die Kletterrose „Laguna“, sie ist öfterblühend, gesund und duftet herrlich!
Geht man durch den Rosenbogen, entdeckt man hinter dem Stuhl einen weiteren Durchgang.
Geht man durch den Rosenbogen, entdeckt man hinter dem Stuhl einen weiteren Durchgang. Was liegt wohl dahinter?
Reizvolles Spiel von Licht und Schatten
Von einem höher gelegenen Beet aus kann man über die Stauden in den halbschattigen Raum sehen und das Spiel von Licht und Schatten genießen.
Beim offenen Garten wird am Stehtisch im hinteren Gartenzimmer geklönt.
Beim offenen Garten wird am Stehtisch im hinteren Gartenzimmer geklönt.

Ein ganz kleiner Rückzugsraum ist hinter dem abgesenkten Kiesplatz entstanden. Er wird von Sträuchern zum städtischen Bereich hinter dem Garten abgegrenzt. Die Beete zu allen Seiten umrahmen den kleinen Rasenplatz mit der eisernen Schaukelbank.
Im Frühling kann man die Gartenräume noch einsehen, im Sommer sind die „Wände“ in unserem Garten hoch.

Die Schaukelbank im Frühling
Die Schaukelbank im Frühling

Ein schmaler Rasenweg führt zur Bank. Das Kaukasus-Vergissmeinnicht und der Scheckenknöterich im Beet rechts begleiten ihn. Am Anfang des Wegs duftet links die Rose „Compassion“; die Bank lädt ein, sich zu setzen.

Hinter der Rose "Compassion" ist die Bank halb versteckt.
Hinter der Rose „Compassion“ ist die Bank halb versteckt.

Rosen, hohe Stauden und ein Sommerflieder trennen zwei Gartenräume voneinander.
Rosen, hohe Stauden und ein Sommerflieder trennen zwei Räume voneinander.

Es bot sich an, zwischen dem Hauswinkel und der Schuppenwand ein „Zimmer“ einzurichten. Hier sitze ich gern mit einer Tasse Tee und lese. Von hier aus habe ich einen ganz anderen Blick auf den Garten als von der größeren Terrasse aus, obwohl die Plätze nah beieinander liegen. Der Holzboden verstärkt das Raumgefühl.

Mein kleiner Morgen-Sitzplatz
Mein kleiner Morgen-Sitzplatz

Der Übergang von der kleinen Seitenterrasse zum hinteren Garten wird von einem Rosenbogen markiert:

Von der Seitenterrasse aus betritt man den hinteren Garten durch einen Rosenbogen.
Von der Seitenterrasse aus betritt man den hinteren Garten durch einen Rosenbogen.

Das Topfgärtchen auf der rechten Seite im Bild oben begrenzt den kleinen Raum mit meinem Pflanztisch. Dort kann ich meine Töpfe und Schalen in angenehmer Höhe bepflanzen. Wenn diese Arbeit getan ist, dient der Pflanztisch zur Dekoration. Neben der Schuppentür steht unter dem Wasseranschluss ein Sandsteintrog, in dem die Vögel gerne baden.

Hinter dem Topfgarten liegt der kleine Raum mit dem Pflanztisch.
Hinter dem Topfgarten liegt der kleine Raum mit dem Pflanztisch.

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