Gartenjahr

Das Galmei-Veilchen (Viola guestphalica)

20. Mai 2022

Ihr Lieben,
bei uns hat es heute tüchtig gewittert und wir haben ein paar kräftige Regenschauer abbekommen. Die Luft ist herrlich reingewaschen und ich habe das Gefühl, ich kann den Pflanzen beim Wachsen und Aufblühen zusehen!
Heute geht es aber einmal nicht um den Garten …

Ich möchte euch das Violette Galmei-Veilchen (Viola guestphalica) vorstellen – eine kleine Schönheit, die es in keinem Garten gibt! Dazu habe ich mit meiner lieben Freundin Erika über den Gartenzaun geschaut. Als sie mich einlud, mit ihr einen spontanen Ausflug nach Blankenrode (bei Lichtenau, Kreis Paderborn, Ostwestfalen) zu machen und zu schauen, ob dort die Veilchen blühen, habe ich natürlich gerne zugesagt. Und tatsächlich sind wir fündig geworden!

Eine zarte Erscheinung: das Violette Galmei-Veilchen (Viola guestphalica)
Eine zarte Erscheinung: das Violette Galmei-Veilchen (Viola guestphalica)

Zinkabbau in Blankenrode

In Blankenrode wurde über mehrere hundert Jahre Blei abgebaut und in der letzten Abbauzeit auch Galmei, ein zinkhaltiges Erz. Es ist nah an der Oberfläche vorhanden, sodass der Boden dort mit Schwermetallen belastet ist, die für die meisten Pflanzen giftig sind. Die Vegetation ist dort sehr karg. Es können nur Pflanzen dort wachsen, die es schaffen konnten, sich an diesen Lebensraum anzupassen und mit der Belastung des Bodens zurechtzukommen. Pflanzen, die Zink im Boden tolerieren, nennt man Galmeipflanzen. Ich staune immer wieder über die vielfältigen Erscheinungen in der Natur und welche Überlebensstrategien ihre Geschöpfe entwickeln können!

Ein langgezogener Graben, die Bleikuhle zeugt heute noch vom Tagebau. Um die Kuhle herum liegen die Halden mit dem Abraum, der noch immer Schwermetalle enthält. Auch auf den Abraumhalden wächst die Galmei-Vegetation.

Die Bleikuhle in Blankenrode
Die Bleikuhle in Blankenrode

Rundweg zum Galmei-Veilchen

Ein kleiner Rundwanderweg führt gegenüber der Bleikuhle durch einen schmalen Streifen mit einer Vegetation, die so völlig untypisch für diese Gegend ist. Von weitem sieht er aus wie eine gemähte Wiese.

Kleiner Rundwanderweg in Blankenrode
Der kleine Rundwanderweg

Als wir näher kamen, entdeckten wir überall die kleinen Veilchen.

Violettes Galmei-Veilchen zwischen niedrigen Gräsern
Violettes Galmei-Veilchen zwischen niedrigen Gräsern

Hier wachsen nur Flechten und niedrige Pflänzchen:

Flechten und sehr niedrige Pflanzen der Galmei-Vegetation
Auf dem belasteten Boden wachsen Flechten und sehr niedrige Pflanzen.

Neben dem Veilchen haben wir noch einen kleinen weiß blühenden Spezialisten entdeckt, die Galmei-Frühlingsmiere (Minuartia verna subsp. hercynica).

Galmei-Frühlingsmiere (Minuartia verna subsp. hercynica)
Galmei-Frühlingsmiere (Minuartia verna subsp. hercynica)

Das Galmei-Veilchen ist in Blankenrode und etwa eineinhalb Kilometer entfernt im Wäschebachtal endemisch, das heißt, es kommt tatsächlich ausschließlich hier vor.
Andere endemische Pflanzenarten findet man zum Beispiel auf Inseln, wo sie sich unabhängig von den Pflanzen anderer Gebiete entwickelt haben. Auch endemische Tierarten gibt es: der Galapagos-Kormoran, von dem wohl die meisten von uns im Biologieunterricht gehört haben, kommt nur auf zwei der Galapagos-Inseln vor. Er hat als einziger Kormoran kleine zurückgebildete Flügel, mit denen er nicht mehr fliegen kann.

Das Violette Galmei-Veilchen oder Galmei-Stiefmütterchen wird 10 bis 15 cm hoch und blüht von Mai bis Oktober. 'Guestphalica' bedeutet "westfälisch". Sind die kleinen Blütengesichter nicht ganz zauberhaft?

Galmei-Veilchen (Viola guestphalica)
Violettes Galmei-Veilchen (Viola guestphalica)

Da das Violette Galmei-Veilchen nur an der Bleikuhle in Blankenrode vorkommt, steht es auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen in NRW und ist geschützt. Das Naturschutzgebiet Bleikuhle gehört zum Europäischen Naturerbe. Dort darf man weder Pflanzen pflücken oder entnehmen noch die Wege verlassen.

Ich hoffe, ihr habt auch etwas vom Regen abbekommen und ihr seid mitsamt euren Häusern und Gärten von den Unwettern verschont geblieben!
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und freue mich wie immer, wenn ihr mir unten einen Kommentar hinterlasst.
Liebe Grüße
Susanna

Über die Galmei-Vegetation habe ich nachgelesen. Quellen:
https://www.lwl.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Naturraum/Endemiten
https://www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/geoportal/naturschutzgebiete/seiten/bleikuhlen/vegetation-der-schwermetallboeden.php?catID=944019944019

30 Kommentare

  • Antwort Brinkmann Sabine 20. Mai 2022 at 22:04

    Das ist ja spannend und sehr interessant!
    Habe ich vorher noch nichts von gehört
    Dank dir und wünsche ein schönes Wochenende 🙋‍♀️🐝🌸

    • Antwort Susanna 20. Mai 2022 at 22:40

      Hallo Sabine,
      ich finde es auch spannend, dass es so etwas bei uns in der Nähe gibt!
      Dankeschön und liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Carole Risch 20. Mai 2022 at 22:55

    Liebe Susanna
    Ein sehr interessanter und informativer Bericht über die Vegetation Westfalens. Toll,dass es solche Naturschutzgebiete gibt, wo man solch seltene Pflanzen entdecken kann. Auch im Süden Luxemburgs einem ehemaligem Eisenerzabbaugebiet gibt es solche Naturschutzgebiete, wo auch seltene und schützenswerte Pflanzen wachsen, ob diese wie bei euch nur dort vorkommen, das weiß ich allerdings nicht.
    Wir haben auch endlich Regen abbekommen und es soll nächste Woche noch regnen, bei dem schwülwarmen Wetter kann man den Pflanzen beim Wachsen zu sehen.
    Liebe Grüße
    Carole

    • Antwort Susanna 20. Mai 2022 at 23:03

      Liebe Carole,
      ich finde es so interessant, dass dieses Gebiet so winzig klein ist. In Belgien gibt es auch Galmei-Pflanzen, darüber habe ich gelesen. Von dem Erzabbau in Luxemburg habe ich noch nichts gehört. Der Regen war bei uns auch bitter nötig und die Luft ist so schön rein gewaschen. Ja, bei solchem Wetter explodiert der Garten richtig!
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Rosi 21. Mai 2022 at 0:40

    was für eine Farbe…
    sehr interessant sind deine Erläuterungen
    und auch dass das Veilchen ziemlich spät blüht

    liebe Grüße
    Rosi

    • Antwort Susanna 21. Mai 2022 at 8:20

      Hallo Rosi,
      die Farbe ist wirklich schön. Die Veilchen bringen kräftige kleine Farbtupfer in das Naturschutzgebiet!
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Wölk Stephanie 21. Mai 2022 at 8:05

    Hallo Susanna,
    das ist echt spannend! Ich habe wirklich nicht gewusst das es endemische Pflanzen in Deutschland gibt. Aber logisch warum nicht! Habe gleich gegoogelt und es gibt tatsächlich einige endemische Gewächse! Man lernt nie aus. Dafür sorgst Du hervorragend!
    LG…Stephanie

    • Antwort Susanna 21. Mai 2022 at 8:16

      Hallo Stephanie,
      vielen Dank für dein Lob!😊 Ich hatte vor unserem Ausflug von den Pflanzen gehört, die dort trotz der Schwermetalle leben. Dass das Veilchen hier endemisch ist, habe ich dann dort erst gelesen. Ich lerne ja auch immer noch und das ist ja auch gut so.
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Elke Schwarzer 21. Mai 2022 at 8:23

    Hallo Susanna,
    jetzt wohne ich schon nicht so weit weg, habe es aber noch nie gesehen.
    Gestern sind wir auf dem Rückweg aus dem Urlaub auch daran vorbeigekommen, aber dann will man einfach nur nach Hause.
    VG
    Elke

    • Antwort Susanna 21. Mai 2022 at 8:31

      Hallo Elke,
      das kannst du ja immer noch nachholen, wenn du möchtest … Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub und hast nach den Gewittern zu Hause alles unbeschadet vorgefunden!
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Christine Günther 21. Mai 2022 at 9:45

    Hallo Susanna, danke für den botanischen Exkurs und das Mitnehmen auf diesen schönen Rundweg. Bisher kannte ich nur das „gewöhnliche“ Veilchen oder wilde Stiefmütterchen. Man lernt nie aus…
    Ich wünsche dir ein sonniges und erholsames Wochenende. Ganz liebe Grüße in deine Richtung. Christine

    • Antwort Susanna 21. Mai 2022 at 13:06

      Hallo Christine,
      schön, dass du mich ein Stück auf dem Weg begleitet hast. Es gibt noch sooo viel zu entdecken …
      Liebe Grüße aus unserem Garten
      Susanna

  • Antwort kleiner-staudengarten 21. Mai 2022 at 20:36

    Was für ein einzigartiges Fleckchen Erde, liebe Susanna…und zudem mit einer endemisch zauberhaften Pflanze.
    Wie gut, dass es sich dabei um ein NSG handelt, allerdings sollte man – wie ich finde – auch sonst der Natur kaum Blüten entnehmen. Sie gehören einfach dort hin. Danke dir für den schönen Rundgang.
    Lieben Gruß und hab ein feines Wochenende, Marita

    • Antwort Susanna 21. Mai 2022 at 20:43

      Da gebe ich dir recht, Marita, da wo wir noch Natur haben, sollte man nichts entnehmen, schon gar nicht ganze Pflanzen. Schön, dass du mit mir auf den Rundweg gekommen bist!
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Loretta Nießen 22. Mai 2022 at 8:19

    Liebe Susanna,
    danke für das Mitnehmen zu eurem Ausflug nach Blankenrode. Wenn ich spazieren gehe, schaue ich auch aufmerksam rum und sehe viele schöne wilde Pflanzen. Die Natur lehrt uns und gibt viele schöne Beispiele. Das Bild mit Gräsern und Veilchen mittendrin ist sehr schön.
    Das Unwetter hat uns verschont, wir hatten nur Regen. Der war auch schon notwendig.
    Ich wünsche einen schönen Sonntag, liebe Susanna
    Loretta

    • Antwort Susanna 22. Mai 2022 at 8:25

      Liebe Loretta,
      beim Wandern freue ich mich auch immer zu sehen, welche Pflanzen in der Natur ihren Lebensraum teilen und wo sie sich ansiedeln. Schön, dass ihr die Unwetter auch ohne Schaden überstanden habt!
      Euch auch einen schönen Sonntag, liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Lieselotte Haag 22. Mai 2022 at 8:39

    Liebe Susanna,
    alleine der Weg zum Ziel deiner Begierde ist wunderschön. Die Natur zeigt uns immer wieder wie vielfältig und einzigartig sie ist. Das Veilchen ist eine wahre Schönheit von dem ich zum ersten mal höre.
    Hab einen schönen Sonntag und sei herzlich gegrüßt
    Lieselotte

    • Antwort Susanna 22. Mai 2022 at 11:39

      Liebe Lieselotte,
      der Weg ist wirklich schön und anschließend haben wir noch im Wald die Wüstung Blankenrode aufgesucht. Die üppige Vegetation war dann im Vergleich sehr wohltuend. Dir auch noch einen schönen restlichen Sonntag, liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Gabi 22. Mai 2022 at 11:27

    Hallo Susanna,
    wie schön die kleinen blauen Blütengesichter leuchten, ich mag Veilchen sehr und diese sind noch dazu etwas sehr besonderes. Toll das du darüber berichtest. Die Natur lehrt uns doch immer wieder, wie sehr man sich anpassen kann/muss. Die Kargheit dieser Landschaft erinnert mich ein bißchen an die Nordsee hier in S-H und an Dänemark. Dort wächst vieles auf salzhaltigem Boden und überlebt doch.
    Ich wünsche noch einen schönen restlichen Sonntag,
    liebe Grüße
    Gabi

    • Antwort Susanna 23. Mai 2022 at 13:45

      Hallo Gabi,
      die salzresistenten Pflanzen sind auch ein interessantes Thema. Ich habe gelesen, dass man daran arbeitet, Nutzpflanzen zu züchten, die auf versalzten Böden gedeihen. Dann könnte man in trockenen Gebieten, wo sonst nichts angebaut werden kann, Getreide ernten.
      Ich wünsche dir eine gute Woche,
      liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Olga von Preuschen 23. Mai 2022 at 13:29

    Liebe Susanna,

    ein wunderschöner Beitrag, vielen Dank. So schön bildlich hast du dein Pflanzenabenteuer beschrieben. Fast wäre ich gern dabei gewesen. Ich mag die Farbe der Galmei-Veilchen. In Bonn sind wir zum Glück vom Unwetter verschont geblieben.

    Liebe Grüße

    Olga

    • Antwort Susanna 23. Mai 2022 at 13:37

      Liebe Olga,
      das Veilchen würde sich auch im Garten gut einfügen – Lila passt immer. Wie schön, dass bei euch nichts passiert ist!
      Liebe Grüße
      Susanna

      P.S.: Das nächste Mal nehme ich dich gern mit auf Entdeckungsreise!

  • Antwort Kirsi 25. Mai 2022 at 12:12

    Ach wie schön und vielen Dank für die herrlichen Fotos und Deine Informationen. Die kleinen zart-lila Blüten sehen einfach zu hübsch aus und dann in der Menge, gerne war ich dabei – das ist wirklich eine Wohltat für die Augen,
    liebe Grüße
    Kirsi

    • Antwort Susanna 26. Mai 2022 at 7:04

      Hallo Kirsi,
      schön, dass du mit auf unseren Spaziergang gekommen bist! Ich fand ihn auf jeden Fall lohnend und ich mag diese kleinen Blütengesichter genau so wie die der Hornveilchen.
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Claudia 26. Mai 2022 at 11:47

    Hallo Susanna,
    es ist wirklich spannend, wie sich selbst auf so vergleichsweise winzigen Gebieten endemische Pflanzen entwickeln und halten können. Zudem noch unter solch schwierigen Verhältnissen. Von den Galmei-Veilchen habe ich noch nie gehört. So hübsch sind sie. Und gut, dass sie so streng geschützt werden. Sie wären sonst sicher ein beliebtes Sammelobjekt, auch wenn sie dann im Garten gar nicht überleben würden.
    Einen schönen Feiertag!
    Viele Grüße
    Claudia

    • Antwort Susanna 27. Mai 2022 at 6:32

      Hallo Claudia,
      ja, es ist wirklich zum Staunen, wie unterschiedlich sich Pflanzen unabhängig voneinander und unter den verschiedensten Bedingungen verändern können! Und es wäre wirklich schade, wenn sie ausgegraben und dadurch aussterben würden. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
      liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Renate Zickenheimer 3. Juni 2022 at 16:37

    Jetzt musste ich aber lachen, ich hatte in den letzten Wochen ein paar Exkursionen durch das Taurus-Gebirge gepostet, wo ich viele endemische Arten vermutete und gefunden habe. Dabei bin ich letzte Woche ganz nahe an diesem Ort nahe Paderborn vorbeigefahren auf dem Weg von Ostfriesland zurück nach Bayern. Nie zuvor hörte ich von diesem besonderen Veilchen, das so allerliebst aussieht mit seinem besonderen Blau. Vielen Dank für das Vorstellen dieser interessanten Ecke. LG Wurzerl

    • Antwort Susanna 4. Juni 2022 at 3:45

      Liebe Renate!
      manchmal muss man gar nicht weit fahren, um solche Schätze zu entdecken – es ist nur etwa eine halbe Stunde entfernt von uns! Aber deine Reise ins Taurus-Gebirge war ja ein ganz besonderes Erlebnis mit vielen Neuentdeckungen und netten Begegnungen!
      Liebe Grüße
      Susanna

  • Antwort Barbara 9. August 2022 at 9:35

    Liebe Susanna,
    das ist ja sehr spannend. Von den Zinktolerierenden Pflanzen habe ich noch nie gehört.
    Ich glaube, da muss ich unbedingt mal hin. Solche Standorte finde ich sehr faszinierend.
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Antwort Susanna 9. August 2022 at 12:04

      Ich staune immer wieder, was die Natur sich einfallen lässt, liebe Barbara! So viele spannende Überlebens- und Fortpflanzungsmechanismen, solch eine Vielfalt überhaupt. Es ist nicht weit von uns und doch habe ich erst letztes Jahr davon erfahren.
      Liebe Grüße aus unserem Garten
      Susanna

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