Besuche in Gärten, Gärtnereien und Parks

Besuch in Bury Court

4. Juni 2021

Ein weiterer Ort, den wir 2015 auf der Gartenreise nach England besuchten, war Bury Court. Er gehört zur Ortschaft Bentley bei Farnham, etwa 80 Kilometer südwestlich von London. Abgeschieden auf dem Lande erwarteten uns auf einem Anwesen gleich zwei ganz besondere Gärten.

Es war einmal …

Das Herz von Bury Court sind die ehemaligen Hofgebäude aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1980 wurde hier Hopfen angebaut und verarbeitet. Später betrieb hier der Besitzer John Coke eine Gärtnerei.
Schließlich baute er die Wirtschaftsgebäude zu einem Ort für Veranstaltungen wie Hochzeiten und Musikaufführungen um.
Die heutigen Gärten wurden von namhaften Gestaltern entworfen: Piet Oudolf und Christopher Bradley-Hole.

Ein üppiges Kiesbeet vor der Haustür mit oranger Nelkenwurz (Geum) und Fetthenne "Karfunkelstein (Hylotelephium "Karfunkelstein")
Ein üppiges Kiesbeet vor der Haustür mit oranger Nelkenwurz (Geum) und Fetthenne "Karfunkelstein" (Hylotelephium "Karfunkelstein")

Der "walled garden"

Auf dem Gelände gibt es einen äußeren Garten und einen Garten, der von den Gebäuden und Mauern umschlossen ist. Einen von Mauern umgebenen Garten nennt man in England "walled garden".
Der Hof sollte eigentlich zum Schaugarten der Gärtnerei umgebaut werden mit langen rechteckigen Beeten, in denen die Pflanzen aus dem Angebot des Betriebes zur Ansicht für die Kundschaft aufgereiht sein sollten. Zufällig war zu der Zeit Piet Oudolf bei John Coke zu Gast. Damals war er noch kein bekannter Gartengestalter und auch die "Dutch Wave" war noch kein Begriff. Die beiden kamen über die geplante Umgestaltung ins Gespräch und Oudolf bot an, eine Zeichnung anzufertigen. John Coke war so begeistert von dem Entwurf, dass er ihn in die Tat umsetzen lies.
Durch den Rahmen aus Gebäuden und durch Hecken und immergrüne Formschnittelemente aus Buchsbaum und Eibe ist der Garten strukturierter als die an Prärien erinnernden Landschaften aus Gräsern und Stauden, für die der holländische Gartengestalter so bekannt geworden ist. In der Mitte des Gartens wurde eine ovale, wiesenähnliche Pflanzung angelegt, überwiegend aus Gräsern mit einigen Zwiebelpflanzen, Zweijährigen und Stauden. Zwischen den alten Mauern des Gehöfts kommen die üppigen Staudenpflan-zungen wundervoll zur Geltung.

In den oast houses wurde früher Hopfen getrocknet. Die spitzen Schornsteinköpfe drehten sich im Wind.
In den runden oast houses wurde früher Hopfen getrocknet. Die Laube ist aus Weidenblättriger Birne (Pyrus salicifolia) gezogen.
Scharfer Gelblauch tanzt über  Gräsern
Scharfer Gelblauch (Allium obliquum) tanzt über der Wiese in der Mitte des Gartens.
Die Wiese wirkt natürlich mit den unregelmäßig eingestreuten Farbtupfern.
Ein Beet, in dem Orange- und Violetttöne dominieren
Orange- und Violetttöne dominieren dieses Beet im Frühsommer.
Wiesenknopf (Sanguisorba), zweierlei Salbei und Syrisches Brandkraut (Phlomis russeliana)
Wiesenknopf (Sanguisorba), zweierlei Ziersalbei und Syrisches Brandkraut (Phlomis russeliana)
Verschiedene Grüntöne und Strukturen kommen auch ohne Blüten aus.
Verschiedene Grüntöne und Strukturen kommen auch ohne Blüten aus.
Ein geschwungenes Heckenelement aus Eibe (Taxus baccata)
Ein geschwungenes Heckenelement aus Eibe (Taxus baccata)
Üppige Staudenpflanzung
Üppige Fülle! Die Mauer dahinter gibt ihr Halt. In der Mitte die Flockenblume "Major" (Centaurea pulchra "Major"), Knollen-Brandkraut (Phlomis tuberosa) und Riesen-Federgras (Stipa gigantea)
Kastig geschnittene Eiben stehen der lockeren Staudenpflanzung gegenüber
Kastig geschnittene Eiben stehen der lockeren Staudenpflanzung gegenüber
Terrasse von Bury Court mit Blick in den Walled Garden
Was für ein Platz, um einen Fünfuhrtee auf der Veranda zu trinken!

Der vordere Garten

John Coke ließ den Vorgarten von Christopher Bradley-Hole gestalten. Für diesen Bereich wünschte er sich einen Garten, der sehr der Natur nachempfunden ist. Die Pflanzen sollten höher werden, als er selbst groß ist und dem Gartenbesucher das Gefühl geben, ein Zwerg zu sein. Der Garten rund um einen Pavillon am Wasser hat eine traumhafte Anmutung.
Die Anlage ist minimalistisch: Wasserbecken und Pavillon haben einfache rechteckige Formen, die Kieswege sind gerade, die Pflanzflächen rasterartig angelegt und mit schlichten Kanten aus Cortenstahl eingefasst.

 Hier ist das Raster aus Wegen und Beeten zu erkennen.
Am Pavillon ist das Raster aus Wegen und Beeten zu erkennen.
Gradlienige Wege und Einfassungen aus Cortenstahl
Gradlinige Wege und Einfassungen aus Cortenstahl
Die Strauß-Margerite "Festtafel" (Tanacetum corymbosum ) leuchtet vor dem üppigen Grün des Schilfs
Die Strauß-Margerite "Festtafel" (Tanacetum corymbosum "Festtafel") leuchtet vor dem üppigen Grün des Schilfs
Der Garten wirkt sehr natürlich.
Der Garten wirkt sehr natürlich.
Blick zurück auf eines der Gebäude
Blick zurück auf eines der Gebäude


Heute habe ich gesehen, dass Bury Court zum Kauf angeboten wird. Ob wohl jemand anders in Zukunft das Anwesen mit so viel Herzblut pflegt wie Mr. Coke?

10 Kommentare

  • Antwort Renate Zickenheimer 11. Juni 2021 at 14:19

    Oh, es wird verkauft, schade, das wäre jetzt auch auf meine "Must see" Liste gekommen. Eine der großen Stärken englischer Gärten ist es ja, dass sie meist in alte Gebäude-Ensemble eingebettet sind. Da wirken dann so erfrischende unterschiedliche Gartenkompositionen, wie Ihr sie hier eindrucksvoll zeigt, noch intensiver auf den Betrachter. Hoffentlich endet das Ganze nicht so traurig, wie mein Lieblingsgarten Moorriem. Aber vielleicht gibt es auch ein Happy End. Vielen Dank für diese interessante Vorstellung und schönes Wochenende. LG Wurzerl

    • Antwort Susanna 11. Juni 2021 at 17:15

      Ja, liebe Renate, es ist schade, wenn so schöne Gärten nicht weiter leben. Bury Court ist als Veranstaltungsort vermutlich eine Goldgrube und gerade wegen der Gärten so idyllisch. Ich hoffe sehr, dass die neuen Besitzer das erkennen und ihn so erhalten wie er ist. Ob man ihn dann noch besuchen kann? Auf jeden Fall ist er eine Reise wert! Dir auch ein schönes Wochenende, liebe Grüße,
      Susanna

  • Antwort Kerstin 13. Juni 2021 at 21:36

    Liebe Susanna,

    Ich bin von dem unterhaltsamen Bericht und den wunderschönen Bildern begeistert und auch inspiriert. Überhaupt finde ich deinen Blog gelungen! Richtig klasse! Ich freue mich auf mehr und wünsche dir weiterhin viel Freude mit deiner Arbeit. Der Funke springt über!

    Herzliche Grüße von Kerstin

    • Antwort Susanna 14. Juni 2021 at 10:44

      Vielen Dank, liebe Kerstin, das ist das schöne an unserer Freundschaft: wir inspirieren uns gegenseitig zu so vielfältigen Themen. Ich empfinde das auch als sehr bereichernd! Ich freue mich auf deinen Besuch! Wir werden den Garten genießen – mit Teetasse oder Regenschirm 😉
      Liebe Grüße und bis ganz bald,

      Susanna

  • Antwort Marion 17. Dezember 2021 at 19:18

    Liebe Susanna,
    das ist ein toller Blog-Beitrag über ein Anwesen mit zwei so unterschiedlichen Gärten. Die Fotos sind fantastisch. Mein Herz geht auf bei dem Anblick der traumhaften Staudenkombinationen von Piet Rudolf! Ich habe es sehr genossen, dass Du mich mit auf eine so inspirierende Gartenreise nach England genommen hast, Sommeridylle mitten im Winter!
    Ich habe heute schon länger verschiedene Artikel auf Deinem tollen Blog gelesen und bin begeistert und habe viele tolle Anregungen speziell für mein Schattenbeet notiert. Vielen herzlichen Dank für diesen schönen Artikel. Herzliche Grüße von der Ostsee Marion

    • Antwort Susanna 17. Dezember 2021 at 19:36

      Liebe Marion,
      die Gärten von John Coke habe ich sehr genossen und auch die netten Gespräche mit ihm! Sommerfotos anschauen und von Barfußtagen träumen tut bei dem trüben Wetter manchmal richtig gut … Es freut mich, dass du etwas von meinem Blog für dich mitnehmen konntest! Liebe GRüße aus meinem Garten,
      Susanna

  • Antwort Petra Otto 18. Dezember 2021 at 8:32

    Hallo Susanna,
    Wie schön, dass du uns vor Weihnachten auf Gartenreise mitnimmst. Ich sitze mit meinem Kaffee und denke an meine eigenen Gartenreisen die letzten Jahre.
    Das sind wunderbare Bilder, man möchte gleich ans Papier und die eigenen Beete weiter optimieren. Aber nur keine Eile, der eigene Garten muss auch erstmal Zeit haben, sich zu entwickeln.
    Aber bei der Pflanzung auf den Bildern, können schon mal die Pferde mit einem durchgehen. …
    Nun gut – irgendwann werden auch wir wieder auf Reisen gehen können.
    Bis dahin genieße ich deine Reportagen.
    Ein schönes Wochenende
    LG Petra

    • Antwort Susanna 18. Dezember 2021 at 8:48

      Liebe Petra,
      als ich die Fotos von Bury Court noch einmal durchgesehen habe, ging es mir wie dir: da waren so schöne Kombinationen, die würden mir auch in meinem Garten gefallen. Und sofort überlege ich, wo was am besten wirken würde …
      Wie schön, dass ich dir die Wartezeit auf neue Gartenreisen ein bisschen versüßen kann! Und während du auf meiner Seite schmökerst, gehe ich durch mein Fotoarchiv und schaue, wohin ich dich als nächstes entführen kann. Ich wünsche dir ein schönes viertes Adventswochenende, liebe Grüße,
      Susanna

  • Antwort Loretta Nießen 18. Dezember 2021 at 15:00

    Liebe Susanna,
    das ist wieder ein toller Bericht von dir. Ich finde auch, dass jetzt die richtige Jahreszeit ist, um die Bilder der Gartenreisen noch mal anzuschauen, gedanklich noch mal dort zu verweilen und sich an der schönen Pflanzenpracht zu erfreuen. Ich habe die tollen Bilder genossen, danke.
    Ich wünsche euch einen wunderschönen vierten Advent.
    Liebe Grüße
    Loretta

    • Antwort Susanna 18. Dezember 2021 at 15:18

      Liebe Loretta,
      ja, jetzt, wo der Garten weitgehend ruht, ist die Zeit für Bilder, für Erinnerungen und die Planung fürs nächste Jahr. Hoffentlich können wir dann wieder die eine oder andere Gartenreise unternehmen! Ich wünsche euch ein schönes Adventswochenende, liebe Grüße,
      Susanna

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