Gartengestaltung

Farbe im Garten Teil 2: Ein bisschen Farb-Theorie

2. Oktober 2021

Nachdem es in Teil 1 um die Farbe Grün im Garten ging, soll es heute farbiger werden!
Ein Garten nur in Grüntönen kann ästhetisch ansprechend sein. Formen, Texturen und Strukturen kommen besonders gut zur Geltung und ihre Funktion wird umso deutlicher, wenn Blütenfarben fehlen. Wenn aber Farben vorhanden sind, nehmen wir sie deutlicher wahr als Formen. Je kräftiger die Farben und je mehr wir davon verwenden, desto stärker treten die Formen hinter ihnen zurück.
Aber wie bekommt man es nun hin, all die schönen Blütenstauden und die leuchtenden Ein- und Zweijährigen so auszuwählen, dass sich die Farben zu schönen Kombinationen ergänzen und sich am Ende nicht beißen?

Viele Menschen wissen instinktiv, welche Farben zusammen passen und haben sofort eine Vorstellung von den Farbkombinationen, die sie verwenden möchten. Andere sind unsicher bei der Zusammenstellung von farbigen Blüten, Blättern, Beeren, Möbeln und Deko-Objekten im Garten. Dabei kann der Farbkreis helfen.
Allerdings können die Regeln für den Garten nicht 1:1 übernommen werden: Grün ist nahezu allgegenwärtig und beeinflusst die übrigen Farben. Außerdem verändern sich Farben im Laufe der Zeit: Knospen haben vielleicht eine andere Farbe als die vollständig geöffnete Blüte, und Blütenblätter können mit der Zeit verblassen. Das Licht verändert sich über den Tag und das Jahr hinweg und beeinflusst auch damit die Wirkung der Farben, während ein Gemälde in einer Galerie konstant ins beste Licht gesetzt wird.

Gestalten mit dem Farbkreis

Farbkreis

Den meisten von uns ist der Farbkreis nach Johannes Itten im Kunstunterricht schon einmal begegnet. Er enthält neben den Grundfarben Rot, Gelb und Blau deren Mischfarben Orange, Grün und Violett. Neben den Mischfarben liegen weitere Mischfarben, die jeweils mehr Anteile der einen oder anderen Grundfarbe enthalten: zwischen Rot und Gelb liegt Orange, neben Orange auf der einen Seite das mehr zum Rot neigende Rotorange, auf der anderen Gelborange mit höherem Gelbanteil.

Komplementärfarben


Die deutlichsten Kontraste erreicht man, wenn man Komplementärfarben wählt, nämlich die, die sich auf dem Farbkreis direkt gegenüberliegen: zum Beispiel Violett und Gelb, Rotviolett und Gelbgrün oder Rot und Grün. Nebeneinander wirken sie lebhaft und spannend, ohne sich zu beißen.

Farbkreis, Komplementärfarben

Verschiedene Farbdreiklänge

Eine weitere Möglichkeit ist eine Dreierkombination aus einer Farbe mit den Nachbarfarben der ihr gegenüberliegenden Farbe:

Oder man wählt eine Kombination aus drei Farben, die von einem gleichseitigen Dreieck innerhalb des Farbkreises miteinander verbunden werden, wie Violett, Orange und Grün oder Rot, Gelb und Blau. Die Farben liegen dabei im gleichen Abstand auf dem Kreis verteilt. Das Dreieck kann man dabei beliebig drehen, um verschiedene Möglichkeiten zu finden:

Farbkreis mit innen liegendem gleichseitigem Dreieck
Farbkreis mit innen liegendem gleichseitigem Dreieck

Je kräftiger oder gesättigter die Farben sind, desto auffälliger wirkt eine Farbkombination und umso spannender ist der Kontrast. Sind beide bzw. alle drei Farben kräftig und stark gesättigt, kann das zu laut wirken. Weniger dominant ist der Kontrast, wenn viel Grün dazukommt, die Farben gedämpfter sind oder mehr von den kühlen Tönen den warmen gegenübergestellt werden. Etwas milder wird die Wirkung schon, wenn eine Farbe blasser ist. Das wird deutlich, wenn wir die Rot-Gelb-Blau-Kombination von oben einem kräftigeren Trio in den gleichen Farben gegenüberstellen:

Nebeneinander liegende Farben

Nebeneinander auf dem Farbkreis liegende Farben haben gemeinsame Anteile und werden deshalb als harmonisch empfunden:

Warme Farben

Warme Farben sind die Farben von Rotviolett über Rot und Orange bis Gelb. Sie sind lebhaft und haben eine anregende Wirkung. Sie passen deshalb besser an einen Platz im Garten, an dem gefeiert wird, als in eine Gartenecke zum Meditieren. Wir verbinden diese Farben mit dem Hochsommer.
Warme Farben treten in den Vordergrund. Damit erscheinen sie näher und können, am Ende eines langen schmalen Gartens gepflanzt, diesen kürzer erscheinen lassen.

Kalte Farben

Kalte Farben sind die, die auf dem Farbkreis von Grün über Blaugrün, Blau und Blauviolett bis Violett reichen. Wir empfinden sie als beruhigend. Sie treten in den Hintergrund und wirken weiter entfernt als sie es wirklich sind. Um ein Grundstück größer wirken zu lassen, kann man diesen Effekt nutzen, indem man blaue oder violette Blüten nach hinten setzt, sodass die hintere Grenze weiter entfernt zu sein scheint. Ebenso wirkt die Gartengrenze weiter entfernt, wenn ein Rankgerüst, eine Bank oder ein Dekoobjekt in einem kühlen Ton am Grundstücksende steht.

Pastellfarben

Zurückhaltend wirkt ein Beet ganz ohne stark gesättigte Farben. Die pastelligen Töne (Rosa, Hellblau, Blassgelb, zarte Violettöne) wirken durch ihre Helligkeit leicht und werden nie aufdringlich.
Wir empfinden Pastellfarben zusammen mit Weiß als harmonisch, und sie werden für ruhige, romantische Kompositionen verwendet. Dazu passen sehr gut silbergraue Blätter wie die von Blauraute (Salvia yangii), Silberraute (Artemisia ludoviciana) oder als Untermalung die flauschigen "Lammohren" des Wollziests (Stachys byzantina).

Persönliches Empfinden

Dies alles sind Grundregeln, die beim Gestalten helfen können. Doch das Farbempfinden ist eine sehr persönliche Sache. Die Eine mag vielleicht gar keine Rot- und Orangetöne, der andere sagt, er kann sich auch zwischen lebhaften Farben entspannen, Hauptsache, er ist im Garten und hat frei!
Im Grunde ist es jedem selbst überlassen, was ihm oder ihr gefällt. Vielleicht probiert ihr es aus, mit dem Farbkreis zu gestalten, vielleicht ist euch das zu theoretisch und ihr pflanzt euer Beet nach Bauchgefühl. Noch einfacher ist es, sich in Gärten, Büchern oder Zeitschriften Inspirationen zu holen und einige findet ihr ja auch hier auf meinen Seiten …
Welche Farbkombinationen sind euch am liebsten? Mit welchen Pflanzen habt ihr sie euch in euren Garten geholt?
Ich wünsche euch einen schönen farbenfröhlichen Herbst und freue mich, wenn ihr mir in den Kommentaren eure Gedanken dazu hinterlasst!

4 Kommentare

  • Antwort Gabi 26. Oktober 2021 at 9:57

    Eine sehr schöne Anregung sich nach dem Farbkreis zu richten, wenn man seine Blumen aussucht. Ich bin aber am ehesten ein Fan von Pastellfarben. Die Kombinationen auf den beiden letzten Fotos ist genau meins, im Besonderen die Kugeldisteln mit der Rose, einfach schön. Ich mag aber auch weiß im Garten sehr gerne, klingt erstmal langweilig lässt meinen kleinen Garten aber immer eine Spur größer wirken 🙂
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Antwort Susanna 26. Oktober 2021 at 13:05

      Hallo Gabi,
      ich mag die pastelligen Kombinationen auch sehr gern. Aber die kräftigen Kontraste fallen mir oft auf Gartenschauen oder in anderen Gärten angenehm ins Auge. Manchmal möchte ich noch viel mehr umsetzen, aber es muss ja stimmig bleiben und dann fehlt der Platz … Weiß finde ich alles andere als langweilig, darum gibt es hier auch demnächst einen Beitrag über Weiß im Garten!
      Liebe Grüße aus meinem Garten,
      Susanna

  • Antwort Rudi und Gabi 21. November 2021 at 18:13

    Hallo Susanna,
    Kompliment für deinen Farbtheorie-Teil zur Gartengestaltung – das ist eine Übersicht, die wirklich praktische und brauchbare Hinweise gibt. Wir stimmen mit dir überein, dass Farben ganz viel auch persönliche Geschmackssache sind, es ist aber auch mindestens ebenso wichtig, zu wissen, wie uns die verschiedenen Farben beeinflussen. Da wir uns sehr viel mit den 'Funktionen' von Pflanzen und deren Einfluss auf das Wohlbefinden befassen, machen wir immer wieder die Erfahrung, dass neben den Düften (ätherischen Ölen) gerade die Farben auch einen ganz wichtigen Einfluss darauf haben, ob sich jemand in seinem Garten auch 'rundum' wohlfühlt.
    Danke für diesen wichtigen Beitrag!
    Liebe Grüße von
    den Lebensgärtnern Rudi und Gabi

    • Antwort Susanna 21. November 2021 at 22:05

      Liebe Gabi, lieber Rudi,
      die Eindrücke in einem Garten sind so vielfältig – Farben, Düfte (oder auch Gerüche), Geräusche, die Haptik der Oberflächen, der Geschmack einer Walderdbeere am Wegrand genascht – beim Gestalten des Gartens wollen wir alle Sinne ansprechen. Dazu ist es gut, zu wissen, wie sich diese Einflüsse auf uns auswirken. In der Schule fand ich ehrlich gesagt die Farbtheorie ziemlich langweilig. Wenn es um die Auswahl der Pflanzen oder anderer Elemente im Garten geht, finde ich sie jedoch hilfreich. Ich freue mich, dass euch der Artikel gefällt und wünsche euc h einen guten Start in die Woche! Liebe Grüße,
      Susanna

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