Besuche in Gärten, Gärtnereien und Parks

Der Japanische Garten in Bielefeld

25. Juni 2020

Ein kleiner Gartenschatz, den ich erst in diesem Jahr entdeckt habe, ist der Japanische Garten in Bielefeld.
Der Garten wurde 2003 in Bethel angelegt und misst etwa 1000 qm.
Er entstand nach einem Besuch des Japanischen Kaiserpaares. Die Kaiserin hatte schon vor längerer Zeit von Bethel als einem wahren Ort der Barmherzigkeit gehört und seitdem den Wunsch gehegt, einmal selbst nach Bethel zu kommen. Während ihrer Deutschlandreise 1993 konnte sie tatsächlich die von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bielefeld besuchen.
Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Bielefeld und die von Bodelschwinghschen Stiftungen haben den Garten gemeinsam als Ort der Stille und der Begegnung mit der japanischen Kultur anlegen lassen.

Bambus, Eibe und Kiefer vor dem Japanischen Garten Bielefeld
Bambus, Eibe und Kiefer vor dem Japanischen Garten

Japanische Gärten haben eine lange Geschichte und sind Teil der Kultur und Ausdruck der Spiritualität Japans. Sie sollen für den Betrachter Orte der Entschleunigung und Entspannung sein, Bilder, in denen immer wieder etwas Neues zu entdecken ist.
Sie bilden idealisierte japanische Landschaften im kleinen Maßstab nach, größere Steine stellen Berge und Felsen dar, Pflanzen können Bäume sein, Hecken oder Wälder und Teiche stehen für Meere. Die verschiedenen Elemente sind asymmetrisch angeordnet, sodass aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet immer wieder neue Bilder entstehen.
Alles soll in harmonischer Beziehung zueinander stehen. Jedem Gestaltungselement des Gartens kommt in der Symbolik eine Bedeutung zu.

Dieser Garten wurde als Trockengarten dem Stil der Gärten des japanischen Gartengestalters Kobori Enshu (1579-1647) nachempfunden.

Der Ausschnitt im Tor und einige Öffnungen in der Mauer erlauben schon einen Einblick ins Innere und geben dem Garten eine gewisse Transparenz. Sie geben aber nur soviel preis, dass man neugierig wird, mehr zu sehen.
Das Tor ist jedoch nicht der eigentliche Eingang. Folgt man der Mauer ein Stück, gelangt man an eine Öffnung in der Mauer, durch die der Garten jederzeit frei zugänglich ist.

Japanischer Garten Bielefeld. Der Blick durch den Ausschnitt im Tor macht neugierig auf das Dahinterliegende.
Der Blick durch den Ausschnitt im Tor macht neugierig auf das dahinter Liegende.

Durch die ruhige Lage des Gartens und abgeschirmt durch die Mauer gelangt man beim Betreten des Gartens in eine andere Welt. Der Japanische Garten ist ein Ort der Stille und der Meditation. Die Gartenmauer umrahmt den Garten wie ein Bilderrahmen ein Gemälde. Dennoch bilden einzelne Bäume außerhalb und die Landschaft des Teutoburger Waldes eine untrennbare Einheit mit dem Garten.

Japanischer Garten Bielefeld. Die Mauer umschließt den Garten fast vollständig.
Die Mauer umschließt den Garten fast vollständig.

Von innen betrachtet, sieht man hinter dem Tor den Teutoburger Wald. Die „geborgte Landschaft“ als Teil des Gesamteindrucks wurde bewusst als gestalterisches Mittel eingesetzt.
Rechts vom Tor steht ein Himmelsbambus (Nandina). Der Symbolik nach kann man beim Eintreten seine schlechten Träume dem Himmelsbambus anvertrauen und sie bei ihm zurücklassen. So kann man den Garten anschließend unbelastet durchwandern.
Stachelblättrige Duftblüten (Osmanthus heterophyllus) sollen mit den Spitzen an ihren Blättern Dämonen abwehren.

Japanischer Garten Bielefeld, geborgte Landschaft: der Teutoburger Wald
Hinter dem Tor liegt der Teutoburger Wald

Der Besucher wandert nicht auf Wegen durch den Garten hindurch, sondern „erwandert“ ihn, auf einem Holzpodest sitzend, mit seinen Augen. Die Trittsteine lenken dabei das Auge des Betrachters. Der Pfad ist nicht geradlinig, denn Dämonen können Wegen nur folgen, wenn sie gerade sind.

Japanischer Garten Bielefeld, die Trittsteine lenken das Auge des Betrachters.
Die Trittsteine lenken das Auge des Betrachters.

Die Insel inmitten des Gartens ist die Kranichinsel, auf der eine Formschnitt-Kiefer einen Kranich symbolisiert. Der Kranich steht in der japanischen Symbolik für Glück und ein langes Leben. Ich finde, man kann gut erkennen, wie er sein Gefieder spreizt. Vielleicht ist er auch gerade gelandet?

Japanischer Garten Bielefeld, die Kranichinsel mit  Formschnitt-Kiefer
Die Kranichinsel im Zentrum des Gartens mit einer wertvollen Formschnitt-Kiefer

Eine steinerne Brücke verbindet zwei Inseln miteinander. Das Überschreiten des „Wassers“ ist wie der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt.

Japanischer Garten Bielefeld, Eine steinerne Brücke führt von einer Insel zur anderen.
Eine steinerne Brücke führt von einer Insel zur anderen.

Der Boden japanischer Gärten ist meistens mit Moos bedeckt. Hier wurde stattdessen ein feiner Teppich aus Fiederpolster verwendet.

Japanischer Garten Bielefeld, Anstelle von Moos wurde im  Fiederpolster (Cotula) als Bodendecker verwendet.
Anstelle von Moos wurde im gesamten Garten Fiederpolster (Cotula) als Bodendecker verwendet.

Der Kies in japanischen Gärten wird fein geharkt. Dabei stellen die Rillen im Kies Wellen im Meer dar und leiten teilweise ebenfalls den Blick entlang von Sichtachsen.

Japanischer Garten Bielefeld, geharkter Kies und Insel
Hier ist gut zu erkennen, wie fein der Kies um die kleine Insel herum geharkt ist.

Der Japanische Garten lebt nicht von blühenden Pflanzen, obwohl er farbige Höhepunkte hat: im Frühjahr blühen die Kirschbäume außerhalb der Mauer und die Kamelien, im April und Mai die Azaleen. Im Herbst färben sich je nach Witterung die Ahorne in ihren kräftigen Farbtönen, bis beim ersten Frost das Laub fällt. Bedeutsam sind diese Ereignisse, weil sie den Verlauf der Jahreszeiten markieren und deutlich machen, dass alles der Veränderung unterworfen und vergänglich ist.
Wichtiger als Blüten sind im japanischen Garten Formen, Strukturen und unterschiedliche Grüntöne. Mir gefällt hier besonders das Spiel von Licht und Schatten.

Japanischer Garten Bielefeld, bei unserem Besuch waren die Azaleen  verblüht.
Bei unserem Besuch waren die Azaleen gerade verblüht.

Die Symbolik der japanischen Gartenkultur ist sicherlich sehr vielfältig und konnte hier nur angerissen werden.
Selbst wenn man die Bedeutung der einzelnen Gestaltungselemente beiseite lässt, ist der Japanische Garten in Bielefeld einfach ein besonderer Ort, an dem man
einfach sitzen kann …
… schauen …
…alles auf sich wirken lassen …
und zur Ruhe kommen …

Japanischer Garten Bielefeld, ein meditativer Ort
Einfach sitzen, schweigen und genießen – ein wunderbarer meditativer Ort

Herzlichen Dank sage ich Frau Gesa Neuert, Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Bielefeld, dass sie sich viel Zeit genommen hat, um mir den Garten und die Symbolik der japanischen Gärten näher zu bringen. Sie hat auf vielen Japanreisen neben Land, Kultur und Menschen viele Gärten dort kennenlernen dürfen und ihre Begeisterung für Japan mit mir geteilt.

Der Japanische Garten in Bielefeld ist ganzjährig rund um die Uhr frei zugänglich und der Eintritt ist frei.

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2 Kommentare

  • Antwort Erika 2. Oktober 2020 at 18:00

    Mein letzter Besuch des Japanischen Gartens liegt einige Jahre zurück. Ich war mit einigen meiner Freundinnen dort. Als Ruhepunkt konnten wir ihn genießen, doch deine differenzierte Kenntnis der Pflanzen, der Bedeutungen, der Rituale hätte ich gerne gehabt. Wissend entdeckt man einfach mehr! Eigentlich müsste ich den Garten mit neuem Blick noch einmal besuchen! Vielen Dank für deine Anregung.

    • Antwort Susanna 2. Oktober 2020 at 18:20

      Den Garten finde ich so spannend, weil er so viel auf so kleinem Raum bietet und zu einem harmonischen Ganzen verbindet. Das Gespräch mit Frau Neuert hat mir sehr geholfen, den Garten und die gestalterische Absicht dahinter zu verstehen. Ich bin gespannt, ob du noch einmal hinfährst und ihn anders erlebst!

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