Gartengestaltung

Struktur Teil 3: Struktur im Beet

11. September 2021

Kennt ihr das auch? Ihr habt so attraktive Pflanzen mit wunderschönen Blüten zusammengestellt und trotzdem seid ihr unzufrieden mit eurem Beet. Alles sieht so „unordentlich“ aus … Warum erscheinen uns manche Beete stimmig, während andere einfach nur planlos zusammengewürfelt wirken? Und was machen die richtig, deren Beete und Gärten wir einfach schön finden?
Hier geht es nicht um Reihen von Tagetes im gleichen Abstand, wie sie bei manchen unserer Großmütter zu sehen waren oder akkurate Rasenkanten. Ich verrate euch heute, wie ihr eure Beete ansprechender gestalten könnt, ohne dass sie gewollt ordentlich aussehen.

Dem Auge Halt geben

Wenn wir ein Beet anschauen, sucht unser Auge nach Orientierung. Wenn es ein buntes Durcheinander einzelner Pflanzen entlang wandert, fehlt ihm etwas, worauf es ruhen kann. Das ist so ähnlich, wie wenn ich auf einer Landkarte einen Ort suche: zuerst suche ich nach einer größeren Struktur, vielleicht nach dem Mittelmeer oder den Alpen. Dann weiß ich, wo ich eine große Stadt finde, z.B. Rom und von dort aus kann ich die Kleinstadt finden, nach der ich suche.
In einem Garten versuchen wir auch, uns zu orientieren: zuerst ein Ruhepol, an dem das Auge Halt findet, von dem aus es zum nächsten Punkt schweifen kann, um dann nach und nach die Einzelheiten zu erkunden. Dazu gibt es verschiedene Gestaltungsmittel:

Pflanzen der Größe nach staffeln

Die Höhenstaffelung kann man mit etwas Erfahrung durchbrechen, um eine besondere Wirkung zu erzielen. Für den Anfang ist es aber einfacher, tatsächlich die höchsten Pflanzen nach hinten zu setzen, davor die mittelhohen und vorn die kleineren, so, dass alle gut zu sehen sind.

Nach Höhen gestaffelte Staudenpflanzung
Hier stehen höhere Pflanzen im Hintergrund, nach vorn werden sie kleiner (Westfalenpark Dortmund)


Das heißt nicht, dass ihr unbedingt Pflanzen in drei Größen verwenden müsst und dass am vorderen Beetrand kleine Stauden den Abschluss bilden müssen. Auf dem Bild unten stehen mittelhohe Stauden vor höheren Gehölzen am vorderen Beetrand.

Stauden mittlerer Höhe am vorderen Beetrand.
Stauden mittlerer Höhe am vorderen Beetrand. (Piet Oudolf- Pflanzung, Maximilianpark Hamm)

Abwandeln solltet ihr die Höhenstaffelung natürlich, wenn ihr ein Inselbeet gestaltet, um das man herum gehen kann und das von allen Seiten gut aussehen soll. Hier setzt man die hohen Pflanzen in die Mitte und zu den Rändern hin die kleineren.

Beet mit Höhenstaffelung
Ein Beet, auf dem die Pflanzen zu beiden Wegen hin gestaffelt sind: in der Mitte hoch, zu den Rändern hin niedriger bepflanzt (Berggarten Hannover)

Strukturpflanzen

Im Artikel „Struktur Teil 2“ habe ich schon gezeigt, wie der Garten durch immergrüne Pflanzen und besonders immergrüne Formschnittgehölze das ganze Jahr Struktur bekommt. Formschnittgehölze aus Eibe, Stechpalme (Ilex aquifolium) oder Japanischer Hülse (Ilex crenata) und immergrüne Stauden wie Bergenien oder Seggen (Carex) sind eine gute Wahl.
Aber auch Stauden, die im Winter einziehen, können Struktur ins Beet bringen. Mit schwertförmigen Blättern setzen zum Beispiel Schwertlilien (Iris) und Montbretien (Crocosmia) Akzente. Gräser bringen mit ihrem feinen Blattwerk Struktur und das auch noch im Winter, wenn der oberirdische Teil längst abgestorben ist. Ähnlich wirken Taglilien (Hemerocallis) mit ihren schmalen Blättern während der Vegetationsperiode. Sie färben sich im Herbst gelb und fallen nach dem ersten Frost in sich zusammen.
Durch die Verwendung dieser Laubformen werden Gegenpole gesetzt zu den sonst häufig ähnlichen Blättern vieler Blütenstauden.

Große runde Bergenienblätter und grasartiges Blattwerk strukturieren ein Beet
Große runde Bergenienblätter strukturieren das ganze Jahr über, grasartiges Blattwerk setzt während der Vegetationsperiode Akzente (Rombergpark Dortmund)
Blätter der Deutschen Schwertlilie (Iris germanica) bringen noch lange nach ihrer Blütezeit Struktur ins  Beet.
Die Blätter der Deutschen Schwertlilie (Iris germanica) bringen noch lange nach ihrer Blütezeit Struktur in unser Beet.


Struktur durch Laubkontraste

Kontrastierende Laubfarben setzen strukturierende Akzente, z.B. rotlaubiges Purpurglöckchen (Heuchera), silberner Wollziest (Stachys byzantina) oder hellgrüne Süßkartoffel (Ipomoea batatas). Noch kräftiger werden die Hingucker, wenn gelbgrünes neben dunkelrotem Laub steht oder silbernes Blattwerk neben purpurnem. Beispiele und Fotos zu Laubkontrasten findet ihr in den Beiträgen „Mit Laub gestalten“ Teil 1: in der Sonne und Teil 2: Schattige Partien.

Rote Berberitzen (Berberis) bilden Akzente in einem Beet
Auch wenn nichts blüht, ist dieses Beet attraktiv: die roten Berberitzen (Berberis) bilden deutliche Akzente. (Beet der Gesellschaft der Staudenfreunde, Rombergpark Dortmund)
Gelblaubige Berberitzen und gelbgrüner Blasenstrauch (Physocarpus opulifolius) leuchten in einer Rabatte
Hier leuchten gelblaubige Berberitzen und gelbgrüner Blasenstrauch (Physocarpus opulifolius, rechts oben) zwischen ansonsten ähnlichen Grüntönen. (Rombergpark Dortmund)

In Gruppen pflanzen

Einzelne Pflänzchen, ohne Zusammenhang auf dem Beet verteilt, wirken schnell wahllos und chaotisch. Unser Auge findet keinen Halt. Mehrere gleiche Pflanzen, in Gruppen zusammen gesetzt, bringen Ruhe ins Beet. Sie können in Blöcken oder in Drifts (in Bändern aneinander gereiht) angeordnet sein. Das Pflanzen in Gruppen verstärkt außerdem die Wirkung besonders von kleineren Pflanzen.

Beet mit Pflanzen in Blöcken und Drifts
In unserem Vorgarten habe ich Taglilien und Katzenminze (rechts) in Blöcken gepflanzt, die rotlaubigen Purpurglöckchen (Heuchera) und die Fetthenne (Hylotelephium „Herbstfreude“) daneben in Drifts.

Einheit durch Wiederholung

Auch das Wiederholen einzelner Elemente bringt Ordnung in ein Beet, denn unser Auge sucht nach Vertrautem und es tut uns gut, einzelne Teile im Beet wiederzuerkennen. Dies können Pflanzen oder Pflanzengruppen sein, unterschiedliche Pflanzen in derselben Farbe, aber auch gleiche Rankgerüste oder andere nicht pflanzliche Objekte.

Kiesbeet mit Zartem Federgras (Nassella tenuissima), Kompakter Wolfsmilch (Euphorbia segueriana subsp. niciciana) und Zottigem Ziest (Stachys officinalis)
In dem locker bepflanzten Kiesbeet wiederholen sich nicht nur gelbe und magentafarbene Blüten, sondern auch das Zarte Ferdergras (Nassella tenuissima), das feine Laub der Kompakten Wolfsmilch (Euphorbia segueriana subsp. niciciana) und das gröbere Laub des Zottigen Ziests (Stachys officinalis). (Weihenstephaner Gärten)

Auf dem Foto unten wurden gleich mehrere Pflanzen in Blöcken verwendet und diese Gruppen wurden wiederholt:

Großzügiges Beet mit Storchschnabel (Geranium), Schlangenknöterich (Polygonum bistorta "Superba") und Gräsern
Die Wiederholung des Storchschnabels (Geranium) und des Schlangenknöterichs (Persicaria bistorta „Superba“), die in Blöcken gepflanzt sind, und die Gräser ergeben ein schönes Bild. (Maximilianpark Hamm)

Dem Beet einen Rahmen geben

Kleine Hecken oder Bänder aus niedrigen Pflanzen können einem Beet einen ordnenden Rahmen geben und die Pflanzung optisch zusammen halten. Das kennen wir von den niedrigen Buchsbaumhecken in Bauern- oder Cottagegärten. Stattdessen eignen sich auch Halb- oder Zwergsträucher wie Lavendel, Graues Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus) oder Immergrüner Gamander (Teucrium x lucidrys) als Einfassung.

Lavendel und Graues Heiligenkraut rahmen ein Beet
Lavendel und Graues Heiligenkraut rahmen unser Terrassenbeet

Auch ein Saum gleicher, niedriger Stauden am Beetrand hat diesen rahmenden Effekt. Es eignen sich sommer- wie wintergrüne Stauden.

Porzellanblümchen (Saxifraga urbium, links) und Kriechspindel (Euonymus fortunei "Emerald 'n' Gold") bilden den vorderen Abschluss eines Beetes
Porzellanblümchen (Saxifraga urbium, links) und Kriechspindel (Euonymus fortunei „Emerald ’n‘ Gold“) bilden den vorderen Beetabschluss.

Besondere Blickpunkte

Gut ausgesuchte und platzierte Steine sind unaufdringlich, fügen sich natürlich ins Beet ein und strukturieren es. Das können Findlinge sein oder Bruchsteine, wichtig ist, dass die Proportionen stimmen. Am besten passen Steine aus der Region. Positiver Nebeneffekt: sie müssen nicht energieaufwändig über weite Wege transportiert werden.

Steine fügen sich natürlich ein und strukturieren die lockere Bepflanzung
Steine fügen sich natürlich ein und strukturieren die lockere Bepflanzung (Botanischer Garten Gütersloh)

Vogelbäder oder andere dekorative Objekte können als Hingucker dem Beet das gewisse Etwas geben. Solche Eyecatcher ziehen die Blicke auf sich und laden ein, sie zu betrachten und den Blick auf ihnen ruhen zu lassen.

Aber hier ist weniger mehr: zu viele noch so schöne Deko-Objekte können das Beet wieder unruhig machen! Hier ein Keramikhuhn, dort eine Mosaik-Eidechse, dann noch bunte Glaskugeln und eine Engelsfigur – wo soll man denn da zuerst hingucken?

Ein Kunstobjekt im Beet
Das Kunstobjekt zieht die Blicke auf sich (Sussex Prairies)

Auch besondere Pflanzenformen von Stauden oder Gehölzen können als Blickpunkt dienen. Ach, ich merke, das könnte ich noch viel weiter ausführen, aber zu Form und Dominanz schreibe ich ein anderes Mal mehr …

Das alles kann helfen, die Gestaltung „runder“ und attraktiver zu machen. Dabei müssen nicht alle Tipps berücksichtigt werden, manchmal helfen schon ein oder zwei von ihnen, damit ein Beet ansprechender wird. Und wieder seht ihr: Form und Struktur sind mindestens genauso wichtig wie Blüten!
Für heute habe ich genug geschrieben; nun ist Zeit, in den Garten zu gehen. Schon länger wollte ich am Rand meines Ahornbeetes eine Gruppe rotlaubiger Purpurglöckchen setzen – da fehlt noch ein Akzent und die rote Heuchera aus einem anderen Beet wird sich dort sehr schön wiederholen.
Wie geht es euch mit der Beetgestaltung? Habt ihr noch Fragen dazu? Hinterlasst mir gerne unten einen Kommentar dazu!

4 Kommentare

  • Antwort Maria Fernbach 12. September 2021 at 19:18

    Liebe Susanna, lege ich ein neues Staudenbeet eher im Herbst oder im Frühling an. Ich meine das Beet am kleinen Hang im hinteren Garten am Pool.
    LG Maria

    • Antwort Susanna 13. September 2021 at 14:01

      Liebe Maria,
      grundsätzlich kannst du Beete im Frühling oder im Herbst neu anlegen. Für Gräser empfiehlt sich die Pflanzung im Frühjahr, damit sie bis zum Saisonende gut verwurzelt sind und den Winter gut überstehen. Empfindliche Pflanzen wie zum Beispiel Bartblume (Caryopteris „Summer Sorbet“ möchte ich dir wegen der späten Blüte bei der Gelegenheit ans Herz legen;)), Fackellilie (Kniphofia) oder Prachtkerze (Gaura lindheimeri) sollte man besser auch erst im Frühling pflanzen. Das wären Pflanzen, die rechts vom Pool in der Sonne wachsen könnten.
      In dem Hang hinter dem Pool hast du, glaube ich, eher Halbschatten, da kommen eher Pflanzen in Frage, die mit dem nassen Winter und euren milden Temperaturen sowieso keine Probleme haben.
      Stauden, die im Herbst blühen (z.B. Astern, Herbstanemonen), würde ich auf jeden Fall im Frühling pflanzen, weil sie jetzt viel Kraft in die Blüte stecken. Ich hoffe, das hilft dir weiter und wünsche dir viel Freude an dem neuen Beet,
      ganz liebe Grüße aus meinem Garten,
      Susanna

  • Antwort Renate Zickenheimer 16. September 2021 at 20:45

    Liebe Susanna, ich liebe diesen Post, nicht nur dass ich da gesehen habe, dass wir Beide offenbar gerne in den gleichen großen Gärten unterwegs sind, Berggarten und Rombergpark liebe ich genauso, wie Weihenstephan, das ja quasi mein „Hausgarten“ ist. Den Maxipark habe ich vor 4 Tagen kennengelernt. 120 km Umweg auf der Heimfahrt von Nordrhein-Westfalen habe ich eingelegt, um endlich die Piet Oudolf Pflanzungen in Hamm zu sehen. Natürlich wirkt so eine Riesenpflanzung immer irgendwie beeindruckend, aber mir war sie etwas zu unpersönlich und routiniert. Das ist natürlich ein erstes böses Vorurteil, möchte auch zu einer anderen Jahreszeit noch einmal zurückkommen.
    Überdekorierte Gärten sind mir auch ein Greuel, Du hast alles wunderbar beschrieben, ich glaube, das kann für viele doch sehr hilfreich sein, die sich doch mit der Planung auch selbst in ihrem Garten einbringen wollen. Danke Dir für diesen gelungenen Beitrag. LG Wurzerl

    • Antwort Susanna 16. September 2021 at 22:40

      Liebe Renate,
      diesen Artikel wollte ich schon länger schreiben, weil immer wieder die Fragen kommen, wie man Beete ansprechender gestalten kann. Ich freue mich, dass er dir gefällt!
      In Hamm war ich dieses Jahr im Juni, vor zwei Wochen und tatsächlich auch noch einmal am Sonntag. Da sind wir umeinander herum gelaufen, ohne es zu bemerken! In den zwei Wochen zwischen den beiden letzten Besuchen hatten sich die Oudolf-Pflanzungen deutlich verändert. Beim ersten Mal leuchteten überall noch die Helenium, nun waren sie so gut wie verblüht. Mich hat fasziniert, wie der Purpurdost die Beete strukturiert und den Blick immer wieder leitet! Das geht in solchen Dimensionen natürlich in unseren kleinen Gärten nicht. Dann gab es aber auch die Kombinationen mit den kleinen, feinen Gemeinsamkeiten, wie ich sie liebe, wie zum Beispiel die roten Stängel der Kaschmirdolde neben der Rutenhirse mit den roten Akzenten. Und jetzt schon spielten auch Samenstände im Zusammenspiel mit noch nicht Verblühtem eine Rolle wie Astilben und Iris sibirica. Aber ich verstehe, was du meinst und es ist eben ein öffentlicher Park und kein privater Garten. Jetzt juckt es mich in den Fingern, gleich morgen die Fotos noch einmal durchzusehen und einen Artikel dazu zu schreiben …
      Liebe Grüße aus meinem Garten,
      Susanna

    Bitte schreibt mir hier einen Kommentar:

    Vielleicht mögt ihr auch