Ihr Lieben,
nach all dem Regen habe ich beschlossen: Heute geht es noch einmal nach Italien. Zwar war es als wir dort waren nicht so warm wie sonst im Mai, wir konnten aber fast immer ohne Schirm und Regenjacke unterwegs sein. Zieht euch bitte bequemes Schuhwerk an, denn es wird ein längerer Spaziergang!

Der Giardino di Boboli ist mit 4,5 Hektar die größte Parkanlage in Florenz mit weitläufigen Grünflächen, Grotten, Brunnen und zahlreichen antiken und modernen Statuen. Er gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. In der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts angelegt und maßgeblich von den Medici geprägt, dienten die Gärten als Vorbild für viele europäische Höfe.
Palazzo Pitti und Vasarikorridor
Um zum Palazzo Pitti zu gelangen, haben wir nicht den Weg über die Straße gewählt, sondern sind durch den Vasarikorridor gegangen. Er führt vom Palazzo Vecchio zu den Uffizien und oberhalb der Ponte Vecchio (über den Schmuckgeschäften) und durch die Kirche Santa Felicità bis in den Hof des Palazzos. Den Gang ließen die Medici bauen, um sich vom Volk unbehelligt durch die Stadt bewegen zu können. Das Innere des Ganges ist eher unspektakulär, aber man hat von dort sehr schöne Blicke auf die Stadt und den Arno.
Tipp:
Wenn ihr einmal in Florenz seid und den Vasarikorridor gehen möchtet, empfiehlt es sich, wie bei allen Touristenattraktionen vorher online Tickets zu buchen. Der Eingang zum für Besucher zugänglichen Teil befindet sich in den Uffizien.

Unter dem Gang ist die Mauer mit Bitterorangen (Citrus aurantium) bewachsen:

Durch die kleine Tür links gelangt man in den Hof des Palazzo Pitti, direkt neben der Grotte von Buontalenti, die Ende des 16. Jahrhunderts gebaut wurde. Sie ist reich mit Stalagmiten, Stalaktiten und Figuren verziert.

Im oberen Teil zeigt sie das Wappen der Medici mit den sechs Kugeln:

Der Palazzo Pitti wurde im 16. Jahrhundert gebaut und sollte die größte Residenz in Florenz werden. Der Kaufmann Luca Pitti ließ auch die ursprünglichen Gärten hinter dem Gebäudekomplex anlegen. Später hatten hier die Medici ihren Hauptsitz und ließen den Park erweitern und umgestalten.

Ein kurzer Blick ins Innere vermittelt einen Eindruck vom Reichtum, mit dem die Räume ausgestattet waren.

Die Sichtachse von Nordwesten nach Südosten
Aber dies ist ein Gartenblog und wir gehen gleich wieder ins Freie! Nur zur Sicherheit, damit sich keiner von euch verläuft: Auf der Übersicht seht ihr unten links den Palazzo. Wir blicken kurz geradeaus die Sichtachse hinauf und nehmen dann den Weg nach links den Hügel hinauf, vorbei an einer weiteren Grotte bis zu dem Gebäude ganz oben. Von dort gehen wir zur langen Mittelachse und folgen ihr bis zum Ausgang an der Spitze.
Und wir gehen schön langsam: Wenn ihr in den Plan hineinzoomt, seht ihr Steigungen von 12 bis 20% gekennzeichnet! (Der Plan ist übrigens nicht genordet. Der Palazzo liegt im Norden des Parks, die Spitze rechts auf dem Plan liegt in seinem Südwesten.)

Schaut man aus den Fenstern der Säle, eröffnet sich diese Sichtachse über eine Brunnenanlage, die Fontana del Carciofo (Artischockenbrunnen), und ein Amphitheater den Hügel hinauf. So konnte man Besucher beeindrucken, ohne dass sie überhaupt den Garten betreten mussten.

Auf der Rückseite des Brunnens liegt ein kleines Buchsbaumparterre am Fuße der Mauer:

Wir stehen nun im Amphitheater und wie Sie sehen, sehen Sie nichts … Leider waren die Figuren wegen Bauarbeiten verhüllt.

Dafür geben uns Abbildungen auf dem Bauzaun einen Eindruck davon, wie das Theater im Laufe der Jahrhunderte genutzt wurde. Dort wo einst der Steinbruch war, der das Material für den Palazzo lieferte, wurden Opern- und Theaterstücke aufgeführt und Turniere und Volksfeste veranstaltet .


Die Sichtachse führt über einen ägyptischen Obelisken den Hang hinauf. Ganz oben – leider auch verhüllt – eine riesige Statue, die den Überfluss darstellt. Wie könnte man passender auf den eigenen Reichtum anspielen?

Grotta di Madama, Kaffeehaus und zwei Rosengärten
Wie versprochen nehmen wir nicht den steilen Anstieg geradeaus, sondern folgen der Mauer im Osten. Von hier aus sehen wir über die Dächer von Florenz hinweg den Campanile des Palazzo Vecchio, den Rathausturm der Stadt, und die Kuppel des Doms:

Rote Kastanien flankieren die Statue, die über einem kleinen Rosengarten thront:

Wir kommen nun zur Grotta di Madama, der ältesten Grotte im Park und einem der ersten Beispiele einer künstlichen Grotte überhaupt, wie auf einer Tafel zu lesen ist.

Ein angenehm kühler Ort an heißen Tagen in Florenz, heute allerdings für Besucher nicht mehr zugänglich.

Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, findet man angenehm schattige Bereiche unter den hohen mediterranen Bäumen. Das werden auch die Medici und ihre Gäste geschätzt haben.

Hat jemand Durst bekommen? Hier und da findet man Brunnen, um sich zu erfrischen.

Die Allee führt uns nun zu einem Kaffeehaus – tatsächlich wird es mit dem deutschen Wort bezeichnet.

Das Gebäude hat vier Stockwerke, von denen drei Terrassen besitzen, einen größeren und mehrere kleinere Räume, in denen die Mitglieder des Hofes eine Pause machen und eine heiße Schokolade trinken konnten.

Immer wieder eröffnen sich zwischen Bäumen und Hecken Blicke in die Landschaft …

… und Brunnen markieren Wegekreuze:

Vom Garten aus führt ein Tor in die Festungsanlage Forte di Belvedere. Von der oberhalb des Palazzo Pitti auf einem Hügel gelegenen Burg soll man eine wunderbare Aussicht haben.

Wir blicken jetzt vom anderen Ende der Sichtachse über den Neptunbrunnen und den Obelisken auf den Artischockenbrunnen und den Palazzo Pitti hinab. Leider war der Brunnen leer. Wie beeindruckend muss es aussehen, wenn sich der Himmel im Wasser spiegelt?

Als wir schon glaubten, an der Grenze des Gartens angekommen zu sein, entdeckten wir hinter einer Hecke versteckt eine Treppe, die uns zu diesem Tor führte.

Welche Überraschung, hier oben einen Garten zu findet, in dem Rosen und Sommerblumen in von Buchsbaum gesäumten Beeten wachsen. Das Weißfilzige Greiskraut (Jacobaea maritima) wird hier nicht als Einjährige behandelt, sondern bildet große Horste.

Rosen und Rote Spornblumen (Centranthus ruber) schmiegen sich an die Mauer:

Und dann dieser weite Ausblick:

Auf der Kastanienwiese (Prato del Castagni) ist ein Teil einer großen Zitrussammlung aufgereiht:


Die Bronzeskulptur von Igor Mitoraj am Rand der Wiese stellt Tyndareus, den König von Sparta dar:

Die zentrale Sichtachse im Giardino di Boboli
Nun biegen wir in die Sichtachse ein, die den Garten auf seiner gesamten Länge halbiert. Hecken und eine Allee aus mediterranen Bäumen begleiten uns auf beiden Seiten.

Antike Skulpturen säumen die Allee, die Viottolone (großer Weg oder große Allee) genannt wird:

Zwischen zwei weiteren Figuren öffnet sich seitlich ein Laubengang, der im heißen Sommer in Florenz eine Wohltat für die Parkbesucher sein muss.

Interessant geformte Stämme und ein schönes Spiel von Licht und Schatten lassen uns näher treten. Auf der linken Seite liegt der Eingang zum botanischen Garten.

Zwei kurze Blicke hinein, für mehr war keine Zeit, denn er schloss früher als der restliche Garten.

Die schwungvolle Hecke lässt erahnen, dass auch dieser Bereich attraktiv gestaltet ist. Da müssen wir wohl noch einmal wieder kommen!

Also wenden wir uns wieder dem Weg nach unten zu. Von Weitem ist ein imposanter Brunnen hinter einem Tor zu sehen.

Auf den Säulen, die das Tor säumen, sitzen zwei Steinböcke. Cosimo de Medici verwendete sie gerne als Zeichen seiner Macht.

In der Mitte eines großen ovalen Wasserbeckens liegt eine Insel, auf der romantische Rosen und Zitruspflanzen in Töpfen wachsen.

In ihrem Zentrum steht ein großer Brunnen. Die Statue in der Mitte gibt ihm seinen Namen: "Brunnen des Ozeanus".


Wir verlassen den Park an der Westseite über den Prato delle Colonne, die Wiese der Säulen. Die halbkreisförmige Fläche ist von Platanen und Skulpturen gesäumt. Sie hat ihren Namen von zwei antiken Säulen aus rotem Granit, die hier aufgestellt sind.

Hier sind nur wenige Menschen und es geht ruhig zu. In den Liegestühlen lässt es sich wunderbar entspannen, bevor man wieder auf die lebhaften Straßen von Floren zurückkehrt.

Die Statue aus weißem Marmor, die vermutlich eine Allegorie der Architektur darstellt, ist so in Gedanken versunken, dass sie uns gar nicht bemerkt.

Einen weiteren Garten in Florenz findet ihr im Beitrag: "Schwertlilien (Iris barbata) und mehr: der Irisgarten in Florenz"
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen.
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße
eure Susanna




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