Ihr Lieben,
wo ist nur die Zeit geblieben? Gerade noch habe ich darauf gewartet, dass der lange, kalte Januar vorbei ist, damit es endlich wieder etwas im Garten zu sehen gibt, schwupp! – schon ist wieder ein Monat vorbei! Wo ist nur der Februar so schnell geblieben? Wer meinen findet, kann ihn aber gerne behalten. Überall grünt und sprießt es, Lenzrosen, Krokusse und Netzblatt-Iris bringen Farbe in die Beete und es ist so mild, dass wir endlich wieder im Garten arbeiten können. Welch ein Genuss!
Aber nun zur Eibe:

Unsere heimische Eibe (Taxus baccata) ist ein äußerst vielseitiges Gehölz. Hätte sie leuchtend bunte Blüten, wäre sie die eierlegende Wollmilchsau unter den Pflanzen, denn sie kann viel mehr als nur Sichtschutz in Form einer Hecke schaffen und als Kugel durch den Garten rollen – was ja auch schon allerhand ist.
Die Eibe wächst zwar langsam, ist aber enorm langlebig. Als ältester Baum in Deutschland wird die Eibe von Balderschwang im Oberallgäu mit einem geschätzten Alter von 800 bis 1500 Jahren angenommen.*
Schon vor hunderten von Jahren wurde die Eibe in der Gestaltung formaler Gärten verwendet, da sie äußerst schnittverträglich und damit gut formbar ist.

Die heimische Eibe (Taxus baccata)
Größe und Standort
Die Eibe ist ein winterharter Baum mit dunkelgrünen Nadeln. Sie kann frei wachsend bis zu 10-15 m hoch und 8-12 m breit werden. Sie wächst oft mehrstämmig.
Eiben wachsen sowohl in der Sonne als auch im Schatten und möchten frische bis feuchte, durchlässige Böden, leicht sauer bis alkalisch. Trockenheit und zu saure Böden bekommen ihnen nicht.
Früchte
Die Eibe ist zweihäusig, das heißt es gibt weibliche und männliche Bäume. Die weiblichen Pflanzen haben im März/April unscheinbare Blüten, aus denen Scheinbeeren mit einem leuchtend roten Samenmantel entstehen. Sie reifen im September/Oktober. Dieser Teil ist der einzig ungiftige, während Nadeln, Borke und Samen hoch giftig sind.
Vögel fressen die roten Früchte und scheiden die Samen unverdaut aus. So finden sie Nahrung an der Eibe und bedanken sich dafür, indem sie sie weiter verbreiten. Dennoch ist die Wildform in Deutschland bedroht.

Verschiedene Sorten
Die Eibe ist beliebt für Gärten, Parks und Friedhöfe. Es gibt viele verschiedene Sorten, die für unterschiedliche Verwendungszwecke geeignet sind. Als Solitäre eignen sich:
'Fastigiata' wächst zunächst in Säulenform und geht später in eine breite Trichterform über. Sie wird 5-7 m hoch und 3-4 m breit.
'Fastigiata Aureomarginata' entwickelt sich in der Form ähnlich, wird aber nur 3-5 m hoch und 2 m breit. Ihre Nadeln haben im Austrieb einen hübschen gelben Rand.
'Fastigiata Robusta' bleibt schmal säulenförmig und hat eine Endgröße von 6-8 m Höhe und 1,5-2 m Breite.
'Germers Gold' ist handlich in der Größe mit einer schmalen Säule von 1,5-2 m Höhe und nur 0,5 m Breite. Sie hat einen bräunlichgelben Austrieb und gelbe Nadeln.
Für Hecken:
Becher-Eibe (Taxus x media) 'Hillii' ist männlich, fruchtet also nicht und wird 3-5 m hoch.
Becher-Eibe (Taxus x media) 'Hicksii' bildet rote Früchte aus. Sie wird ebenfalls 3-5 m hoch.
Für Einfassungen und kleinere Formschnittpflanzen:
'Renke’s Kleiner Grüner' wird nur 60-80 cm hoch und 50-70 cm breit.
Die Fotos zeigen die gelbrandige Sorte 'Fastigiata Aureomarginata':


Schnitt
Da Eiben langsam wachsen, braucht ihr etwas Geduld, wenn ihr eine Hecke oder Formschnittgehölze aus kleinen Pflanzen heranziehen möchtet. Andererseits ist es später ein Vorteil, wenn die Pflanzen nicht so schnell aus der Form geraten.
Um schön dichte, gut verzweigte Exemplare zu bekommen, sollten sie ein, besser noch zweimal im Jahr geschnitten werden. Diese Hecke wäre mal wieder dran:

Den Garten mit Eiben gestalten
Eibenhecken
Die kurzen, dunkelgrünen Nadeln der Eibenhecken bilden einen ruhigen Hintergrund für Beete und Mixed Border, vor dem die Bepflanzung besonders gut zur Geltung kommt:

Als Raumteiler kann die Hecke auch auf halber Höhe gehalten werden:

Durch die gute Schnittverträglichkeit können Eibenhecken phantasievoll gestaltet werden. Eine Sichtschutzhecke mit kastigen Einschnitten oder einem wellenförmigen Abschluss kann ein toller Hingucker sein:

Der runde Einschnitt erlaubt Einblicke in den Gartenraum dahinter und sorgt dafür, dass die Hecke nicht zu mächtig und abweisend wirkt. Dennoch verdeckt sie so viel, dass man näher kommen und das Zimmer dahinter erkunden möchte:

Den üppig bepflanzten Beeten in diesem Senkgarten gibt die strenge Form der Hecke einen ruhigen Rahmen. "Pfeiler" mit Kugeln darauf machen sie zum formalen Gestaltungselement, das zusätzlich den Übergang von einem zum anderen Gartenraum betont:

Die urwüchsigen Hecken von Doddington Place im Süden Englands sind aus der Not geboren: Sie wurden ursprünglich klassisch gerade geschnitten. Während des zweiten Weltkriegs konnten sie nicht gepflegt werden und nahmen skurrile Formen an. Man fand Gefallen daran und schneidet sie seitdem in dieser unregelmäßigen Gestalt:

Buchsbaumersatz: Einfassungen aus Eibe
Nachdem Zünsler und Pilz viele Bestände des Buchsbaums zerstört haben, wird zunehmend auf kleine Eiben wie 'Renke’s Kleiner Grüner' als Buchsbaumersatz zurück gegriffen. Die niedrigen Hecken wirken ebenso gut, wenn die Pflanzen zusammen gewachsen und in Form geschnitten sind.

Eiben in Säulenform als Akzente
Säulenförmige Bäume setzen vertikale Akzente und geben dem Garten Dreidimensionalität. Schmale Säulen sparen Platz. Im Wintergarten im Luisenpark in Mannheim bringt das Dunkelgrün einen schönen Kontrast zu den farbigen Zweigen von Weiden und Hartriegeln:

Wie Wächter wirken die Eiben am Eingang zu diesem kleinen Schaugarten:

Am Osnabrücker Hof im Freilichtmuseum Detmold stehen stattliche Eibensäulen, die im 18. Jahrhundert zu solchen Hofanlagen gehörten. Sie betonen hier vor allem die Mittelachse des Gartens:

Solche großen, breiten Säulen wirken besonders repräsentativ und beeindrucken. Umso mehr, wenn sie wie im Garten von Filoli in Doppelreihen gepflanzt sind. Diese Bäume sind etwa einhundert Jahre alt.

Die schmalen hohen Säulen sind Ausrufezeichen zwischen den übrigen lockeren Formen. Sie geben der Mitte des Gartens Gewicht und fordern dazu auf, innezuhalten und sich in Ruhe umzusehen, statt dem Weg zu schnell zu folgen.

Geometrische Formen aus Eibe als Strukturelemente im Garten
Die strengen geometrischen Formen von Kugeln und Kegeln aus immergrünen Pflanzen sorgen das ganze Jahr über für Struktur. Schön ist z.B. der Gegensatz zu hängenden Formen von Bäumen:

Der Kontrast vom klaren Umriss zu dem lockeren Wuchs der Stauden sorgt für Spannung und das Auge kann auf den statisch wirkenden Eibenkegeln ausruhen:

Diese abgerundeten Kegel scheinen ihre Köpfe zusammen zu stecken und ins Gespräch vertieft. So bieten sie neben der Funktion als Fokuspunkt noch einen humorvollen Aspekt:

Anstatt einer strengen Hecke wurden hier Kegel in einer lockeren Reihe als Raumteiler gepflanzt. Auch sie bilden mit der regelmäßigen Form und dem dunklen Grün einen guten Hintergrund für das bunte Staudenbeet:

Es muss nicht immer rund sein. Der längliche Quader bringt Ruhe in das lebendige Beet mit Japan-Berggras (Hakonechloa macra) 'Aureola' und Kerzen-Knöterichen (Persicaria amplexicaulis):

Labyrinthe und Irrgärten aus Eibe (Taxus baccata)
Zwischen hohen, blickdichten Wänden gilt es im Irrgarten, den richtigen Weg hinein und wieder heraus zu finden ohne sich an den Abzweigungen zu verlaufen.
Im Labyrinth führt dagegen ein Weg in die Mitte. Man soll ihm folgen, um zur Ruhe zu kommen und die eigene Mitte zu finden.
Neben Buche und Hainbuche eignen sich vor allem Eiben für die Gestaltung, da sie das ganze Jahr über dicht und grün sind. Die Gänge können gerade und rechtwinklig zueinander sein …

… oder abgerundet und verschlungen:

Weitere Ideen mit Eiben
Im Garten von Bury Court in Südengland, der von Piet Oudolf gestaltet wurde, setzt diese geschwungene Hecke einen besonderen Akzent:

Eher wie eine Skulptur für sich wirken die geometrischen Formen im Park von Schloss Egeskov in Dänemark. Sie erinnern mich ein bisschen an Zinnen.

Auch einige der akribisch in Form gehaltenen Figuren im Garten von Balmoral Cottage sind aus Eiben gezogen. Von Schachfiguren ähnlichen Exemplaren über Vögel bis zu Dinosauriern findet sich dort eine Vielzahl von phantasievollen Gebilden.

Nicht zu vergessen die legendären Vögel im Pfauengarten von Great Dixter:

Auch Wolkenbäume lassen sich aus den dicht wachsenden Pflanzen formen. Sie sind quasi "Bonsais in groß" und häufig in Gärten im japanischen Stil zu finden.

Quellen:
*https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Eibe_von_Balderschwang
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen.
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße
eure Susanna




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