Ihr Lieben,
der erste Monat dieses Winters ist geschafft! Ich gehöre nicht zu denen, die an Neujahr schon jammern, dass das Frühjahr noch so fern ist, aber ich bin auch kein Winterkind. Deshalb freue ich mich, wenn der Februar beginnt und die mildere Zeit ein bisschen näher rückt. Jetzt kann ich die nächsten Wochen entspannt abwarten und beobachten, was sich im Garten tut. Unter der Erde laufen schon die Vorbereitungen auf den Frühling und der April kommt nicht schneller, wenn man am Kalender zieht … (oder so ähnlich).
Ein bisschen Farbe tut dennoch gut, deshalb nehme ich euch heute mit auf die Internationale Pflanzenmesse (IPM) in Essen, die wir in der vergangenen Woche besucht haben.

Die Fachmesse IPM ESSEN, die Weltleitmesse des Gartenbaus, fand vom 27. bis 30. Januar statt. Auf der Veranstaltung ging es um alles rund um Pflanzen: Floristik, Technik, Ausstattung und natürlich um die Pflanzen selbst. Firmen aus aller Welt zeigten hier neue Produkte und stellten Dienstleistungen in der grünen Branche vor. Interessant waren vor allem Nachhaltigkeit, Gärtnern und Anbau mit dem Klimawandel sowie neue Pflanzenzüchtungen von der einjährigen Sommerblume über die Staude bis hin zu stattlichen Gehölzen.
Der erste Eindruck auf der IPM war Farbe! Farbe! Farbe! Was liegt für eine Pflanzenmesse näher, als die Augen der Besucher mit Blüten in den leuchtendsten Tönen zu verwöhnen und an die Stände zu locken?
Vorfreude auf die neue Gartensaison
Was wir in unseren Gärten nicht können – die Messe machte es möglich: Einige Pflanzen wurden jetzt schon blühend gezeigt und machten Vorfreude auf die neue Saison. Das galt ganz besonders für die Tulpen in vielen Farben:

Kräftig orange-rot leuchtet die Sorte 'Terminator', in Rosa die 'Crown of Dynasty':


Ein ganzes Beet aus Frühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum), rotem Moos-Steinbrech (Saxifraga arendsii, im Hintergrund) und Ton-in-Ton zu den Alpenveilchen passendem Goldlack (Erysimum cheiri) wurde in der Halle gepflanzt:

Der Duft am Stand dieses Anbieters von Lilien war betörend. Als ich mit dem jungen Mann am Stand ins Gespräch kam und ihn fragte, ob er den Duft noch wahrnimmt, musste er nicht lange überlegen: Nach einigen Jahren in der Branche ist er gegen das schwere Parfum der Lilien immun geworden.

Schnittblumen
Diese zauberhafte rosa Iris hätte ich gerne im Garten:

Für mich ist die Pfingstrose die edelste der Schnittblumen überhaupt. Ich würde sie allerdings niemals aus dem Garten schneiden. Im Beet halten sie so viel länger und jede einzelne Blüte trägt zum Wow-Effekt bei.

Gerbera, Rosen und Co. in Rosa über Pink bis Violett: Die Präsentation der bonbonfarbenen Blüten in quietschpinken Töpfen ist Geschmackssache:

Die Auswahl an verschiedensten Ranunkeln hat mir jedoch sehr gut gefallen:

Blick auf verschiedene Stände
Allein die vielseitig und zum Teil sehr kreativ aufgemachten Stände ließen die Messe zu einem Erlebnis für die Augen werden.
Die beleuchteten künstlichen Pflanzen dieses Anbieters von Gartendekorationen würde ich sicher nicht für unseren Garten in Erwägung ziehen, aber zusammen mit dem bläulichen Licht und den mit Nebel gefüllten Seifenblasen ergab sich ein tolles, fast mystisches Bild:

Sicherlich ein Hingucker, aber zur Nachahmung nicht empfohlen: In dem Käfig, um den herum dieser Maulbeerbaum gezogen wurde, sitzt ein "schräger Vogel". Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass die Besucher eher wegen des Überraschungseffekts als wegen der übrigen Gehölze an diesem Stand stehen blieben. Aber so kann man natürlich auch mit potenziellen Kunden ins Gespräch kommen!

Eine dänische Firma machte mit ihrem Musikzimmer im Dschungel eines Gewächshauses unter dem Motto "Nature to the People" auf sich aufmerksam:

Mit "Tea for two" könnte man den Stand dieses Nelkenzüchters überschreiben. Das feine englische Teegeschirr lässt ahnen, dass er seinen Sitz in England hat:

Neuheiten und besondere Sorten
Hortensien als Zimmerpflanzen
Es ist mir bisher nie aufgefallen, dass es von den Bauern-Hortensien (Hydrangea macrophylla) Sorten gibt, die für die dauerhafte Kultur im Zimmer gedacht sind. Hübsch sind sie auf jeden Fall. Die Weiße heißt 'Hi Ice', die Rotviolette 'Hi Fire':


Nieswurze (Helleborus)
Das Angebot an Lenzrosen (Helleborus x hybridus) wird von Jahr zu Jahr größer. Die duftige rosa 'Quintessa Rose' entsteht durch Handbestäubung und fällt immer leicht unterschiedlich aus. Die gesprenkelte 'Molly' dagegen ist vegetativ vermehrt und damit sortenecht:


Auch die Korsische Nieswurz (Helleborus argutifolius) 'Snow Fever', mit der ich schon länger liebäugele, ist uns begegnet. Sie fühlt sich in der Sonne und im Halbschatten auf trockenem Boden wohl und ist im März/April eine Bienenweide. Auch außerhalb der Blütezeit ziert ihr weiß marmoriertes Laub:

Winterschöne Pflanzen: Wolfsmilch und Currykraut
Meine Lieblings-Wolfsmilchsorten kamen gleich im Dreierpack daher. Links seht ihr Euphorbia 'White Swan', in der Mitte 'Miners Merlot' und rechts 'Ascot Rainbow'.

Ebenfalls winterschön ist das Currykraut (Helichrysum italicum). Die Sorte 'Snow White' soll kompakter und gleichmäßiger im Wuchs bleiben als die Art:

Ideen für den Kübel
In Gelb- und Pinktönen wurden hier gelbbunte Segge (Carex) 'Eversheen', Goldlack (Erysimum) 'Winter Orchid', und Kissen-Primel 'Prima Belarina Carnival' mit der hübschen horstig wachsenden Schaumblüte (Tiarella laciniata) 'Spring Symphony' mit duftigen rosa Blütenkerzen kombiniert:

Das rote Pflanzgefäß ist unter anderem mit roter Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) 'Miners Merlot', Bitterwurz (Lewisia) 'Sunset Glow', Schleifenblume (Iberis) 'Candy Ice' und einer gefüllten Primel in Rot und Gelb bestückt:

Nachhaltig angebaute Rittersterne (Hippeastrum) für das ganze Jahr
Eine der Innovationen zeigte eine holländische Firma. Sie züchtet Amaryllis, wie sie mit dem Trivialnamen meist genannt werden, die im niederländischen Klima im Freiland angebaut und anschließend als Schnittblumen vorgetrieben und in den Verkauf gebracht werden können. Nachhaltig sind sie unter anderem, weil sie nicht mehr auf ein energieintensiv geheiztes Gewächshaus angewiesen sind. Es gibt eine Vielfalt an Sorten wie die weiße 'Dentelle Rouge' mit feinem rotem Rand …

… die dunkelrote 'Mondriaan' mit Weiß und Hellgrün im Schlund und die Sorte 'River Dance' mit rosa Streifenmuster auf weißem Grund:


Die Firma betont, dass der Ritterstern so das ganze Jahr über für die Vase angeboten werden kann. Hmmmm … Für mich ist er eine Winter- und Weihnachtspflanze und gerade, dass er nicht ständig verfügbar ist, macht ihn doch so besonders. Möchte ich von Januar bis Dezember Weihnachtssterne, Spekulatius und Amaryllis?
Von exotisch bis mediterran
Da die IPM eine internationale Messe ist, wurden auch Pflanzen gezeigt, die bei uns nicht winterhart sind. Südländisches Flair gab es auf diesem Stand mit Zitronen und mediterranen Kräutern in Töpfen:

Ein echter Hingucker ist Buddhas Hand (Citrus medica) 'Digitata'. Die Zitrusfrucht hat einen intensiven Duft und wird in Asien für buddhistische Zeremonien verwendet. Ihr ebenfalls kräftiges Aroma wird in der gehobenen Küche geschätzt. Fein gehobelt über eine Speise gegeben soll sie es am besten entfalten.

Eine "Landschaft" aus Kork-Eichen (Quercus suber) und einem bepflanzten Springbrunnen versetzte die Besucher gedanklich vom verschneiten Ruhrgebiet in den sonnigen Süden:

Blaue Palmlilien (Yucca rostrata), in Form geschnittene Olive und andere bei uns nicht zuverlässig winterharte Pflanzen machten Lust auf einen mediterranen Garten.

Nostalgisches
Flaschengärten sind wieder sehr beliebt, vor allem bei jungen Menschen, habe ich mir sagen lassen. Ist das Gefäß ausreichend groß, fest verschlossen und richtig bepflanzt, können die Pflanzen darin lange sich selbst überlassen bleiben.

Der Retrotrend der Sukkulenten ist nach ihrer Wiederentdeckung vor ein paar Jahren immer noch ungebrochen. Hauswurze (Sempervivum) werden in großer Vielfalt und in verschiedensten Pflanzgefäßen angeboten:

Potential zum Sammlerobjekt haben auch die Haworthien (Haworthia) aus dem Süden Afrikas, die in einer Vielzahl von Blattmusterungen zu bekommen sind. Die Sukkulenten sind genügsam und pflegeleicht und bleiben klein. Obwohl aufgrund ihrer Herkunft die Vermutung nahe liegt, dass sie Sonnenkinder sind, benötigen sie einen halbschattigen Standort, um zu gedeihen. Auf der Messe wurden sie als lose Baby-Pflänzchen angeboten:

Nachhaltig Gärtnern
Nachhaltigkeit und Gärtnern mit dem Klimawandel waren wichtige Themen auf der IPM. In der neuen Wood Arena wurden klimaresistente Gehölze gezeigt, die mit den veränderten Bedingungen zurecht kommen. Es gab viele Substrate mit dem Schwerpunkt auf torffreiem Gärtnern und Pflanztöpfchen, die sich im Boden mit der Zeit auflösen. In diesem Terrarium gab es Florfliegen und Schlupfwespen zu sehen, die gegen Schädlinge wie Blattläuse eingesetzt werden, um die Verwendung von Pestiziden auch in den Gewächshäusern von Betrieben zu vermeiden.

Ein großer Bereich der Messe widmet sich der Floristik. Mehr davon zeige ich euch demnächst.


Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße
eure Susanna




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