Ihr Lieben,
der September hat uns Regen gebracht und mich mit dem schwierigen Gartenjahr versöhnt. Die Nachblüte einiger Stauden geht nahtlos in die Asternblüte über, die Herbstfärbung beginnt und plötzlich mag ich unseren Garten wieder. Nun hoffe ich auf einen schönen Oktober.
Allen, die immer noch keinen oder kaum Regen hatten, drücke ich weiter die Daumen.

Nach dem Beitrag über heimische Trockenheit tolerierende Stauden und Zweijährige sehen wir uns nun Pflanzen an, die durch einen besonderen Schutz für trockene, heiße Sommer vorbereitet sind.
Ob eine Pflanze Hitze und Trockenheit toleriert, darauf können uns oft schon ihre Blätter einen Hinweis geben, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen. Silbrig, bläulich, nadelartig oder behaart: Die Natur ist erfinderisch und sie hat sich eine ganze Reihe von Mechanismen ausgedacht, um Pflanzen trotz geringer Niederschläge und intensiver Sonneneinstrahlung in trockenen, heißen Umgebungen gedeihen zu lassen.
Helle silbergraue oder graugrüne Blätter reflektieren die heißen Sonnenstrahlen und heizen sich weniger auf als dunkle. Manche Arten schützen sich mit einem wachsartigen Überzug der Blätter gegen zu hohe Verdunstung. Auch feine Härchen auf der Blattoberseite helfen, heiße Phasen besser zu überstehen, indem sie Feuchtigkeit festhalten. Kleine und schmale Blätter bieten weniger Oberfläche, die sich stark erhitzt. Rhizome und sukkulente Blätter speichern Wasser und stellen in niederschlagsarmen Zeiten einen Vorrat zur Verfügung. Einige Pflanzen weisen gleich mehrere dieser Merkmale auf.
Tipp:
Auch wenn diese Pflanzen mit wenig Feuchtigkeit zurechtkommen, solltet ihr sie vor allem in den ersten zwei Jahren im Auge behalten. Sie benötigen in trockenen Perioden mäßige Wassergaben, bis sie ihr Wurzelsystem entwickelt und sich richtig eingelebt haben. Damit eure Neuzugänge in der Hitze gut versorgt sind:
– gießt ihr am besten morgens früh, damit das Wasser in den Boden eingezogen ist, bevor die Sonne auf das Beet scheint und es verdunsten lässt,
– wässert seltener und durchdringend statt häufig und oberflächlich, damit die Wurzeln in die Tiefe gehen,
– setzt Pflanzen mit ähnlichen Bedürfnissen an Licht und Boden zusammen und
– mulcht den Boden, um die Verdunstung zu verringern.
Trockenheitstolerante Pflanzen mit grauen Blättern
Das Graue Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus) bildet hübsche rundliche Horste und eignet sich für den Beetvordergrund und als Einfassung. Mit Lavendel und Blauraute (Salvia yangii) begleitet es den kurzen Weg durch unser Terrassenbeet. Ebenso wie der Lavendel neben ihm hat es kleine, nadelartige Blätter, die der Sonne weniger Angriffsfläche bieten.

Die Eselsdistel (Onopordum acanthium) ist eine stattliche Erscheinung. Als Zweijährige bildet sie im ersten Jahr eine Blattrosette aus und kann im zweiten Jahr bis zu 3 m hoch werden.

Sie hat zwischen Juni und August violette Blüten, die hier farblich zur Lanzen-Verbene (Verbena hastata) passen. Die Distel ist heimisch. (Mehr über Disteln gibt es irgendwann in einem weiteren Beitrag.)

Graugrüne Blätter mit feinen Runzeln zeichnen den Kaukasus-Storchschnabel (Geranium renardii) aus, der zwar im Juni/Juli hübsche Blüten hat, für mich aber als Blattschmuckstaude ebenso wertvoll ist.

Bläuliche Blätter
Die Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites) hat bläuliche Blätter, die so um die Triebe herum angeordnet sind, dass sie sich gegenseitig Schatten spenden. Auf unserer Mauerkrone harmoniert sie mit den rosa Blüten eines kleinen Sedums. Unterhalb hat es sich eine Hauswurz in den Fugen bequem gemacht.

Die heimische Weinraute (Ruta graveolens) hat bläulich grünes, feines Blattwerk. Sie blüht im Mai und Juni gelb und hat aromatische Blätter.
Ebenso wie der Milchsaft der Walzen-Wolfsmilch kann die Pflanze phototoxische Hautreaktionen hervorrufen, wenn man sie mit bloßen Händen anfasst.

Auch die Färberhülse (Baptisia australis) hat bläuliches Blattwerk. Sie hat im Juni und Juli den Lupinen ähnliche Blüten, daher kommt ihr anderer Name "Indigolupine". Sie bildet breitbuschige Horste, die auch außerhalb der Blütezeit attraktiv sind und hübsche dunkle Samenstände. Hier ist sie vor Zartem Federgras in Blau zu sehen:

Die Sorte 'Twilight Prairie Blues' passt mit gelb-violetten Blüten besonders gut zu violettem Allium, Steppen-Salbei und zur Fackellilie (Kniphofia):

Die Rote Spornblume (Centranthus ruber) hat kleine bläulich grüne Blätter, die den Sonnenstrahlen wenig Landefläche anbieten. Hier wurde sie mit Katzenminze (Nepeta) und Syrischem Brandkraut (Phlomis russeliana) gepflanzt.

Tipp:
Die meisten Pflanzen, die an wenig Niederschlag und viel Sonne angepasst sind, gedeihen auf nährstoffarmen Böden. Deshalb solltet ihr mit Dünger sparsam sein. Zu viele Nährstoffe sorgen für üppige, weiche Triebe, die leichter austrocknen.
Behaarte Blattoberflächen
Der Muskateller Salbei (Salvia sclarea) hat samtig behaarte, runzlige Blätter, die bei Berührung herb duften. Er ist zweijährig und versamt sich an zusagenden Plätzen. Leider steht er auf der Speisekarte der Schnecken weit oben. Der einjährige Klatschmohn (Papaver rhoeas) umgarnt ihn zur Blütezeit im Juni/Juli:

Das Graufilzige Greiskraut (Jacobaea maritima) trägt seine Strategie schon im Namen: Es hat hellgraue Blätter mit einem weichen Flaum. Es ist nur bis etwa -12° C winterhart und wird deshalb meist für den Wechselflor verwendet. Da die Winter nun oft milder sind, lohnt es sich, die Pflanzen im Herbst nicht zu entsorgen sondern in Lücken zu setzen. Mit Glück übersteht es die kalte Zeit unbeschadet und bringt mit den immergrünen Blättern Lichtpunkte in den Garten.

Der Silberblatt-Salbei (Salvia argentea) blüht im Juni bis Juli weiß und ist zweijährig. Er ist eine tolle Blattschmuckstaude für niedrige Pflanzungen:

Bei uns im Sandbeet wächst er neben Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) 'Amethyst' und Zartem Federgras (Nassella tenuissima):

Viele Katzenminzen (Nepeta) haben graues, behaartes Blattwerk. Hier ist eine mit der Blauraute (Salvia yangii), Yucca und dem Riesen-Federgras (Stipa gigantea) zu sehen, die alle mit wenig Feuchtigkeit gedeihen.
Es gibt übrigens eine heimische Art, Nepeta cataria, die grünes Laub hat, blasse cremeweiße Blüten und einen zitronigen Duft.

Woll-Ziest (Stachys byzantina) ist mit behaarten Blättern und grauem Laub ein klassischer Vertreter der trockenheitstoleranten Stauden, kommt aber auch mit frischem Boden zurecht. Im Steppenbeet harmoniert er mit dem Herzblättrigen Meerkohl oder Riesenschleierkraut (Crambe cordifolia) und der Steppen-Wolfsmilch.

Die Vexier- oder Samtnelke (Silene coronaria) ist eine kurzlebige Staude, die im Juni und Juli leuchtend pink oder weiß blüht. Ich schneide Verblühtes ab, um die Blütezeit zu verlängern, lasse aber einen Teil der Samen ausreifen, damit sie sich durch Selbstaussaat in unserem Garten erhält.

Flauschige, mit Härchen besetzte Blätter wie die von Woll-Ziest und Vexier-Nelke dienen übrigens der Großen Wollbiene als "Bettengeschäft": Sie schabt Teile für den Nestbau davon ab, um die Kämmerchen für ihre Nachkommen weich auszupolstern.
Für die meisten dieser Pflanzen ist der April die beste Pflanzzeit. So können empfindliche Arten bis zum Winter gut einwurzeln und kommen besser durch die kalte Jahreszeit.
Wasserspeicher
Sukkulente Blätter
Sukkulente Pflanzen speichern Wasser in ihren dickfleischigen Blättern. Dadurch können sie an extremen Standorten wachsen, wie diese Haus- oder Dachwurz (Sempervivum) auf den Pfannen, wo kaum Erde vorhanden ist:

Auch in den kleinsten Mauerritzen finden sie Lebensraum:

Fetthennen (Sedum und Hylotelephium) haben ebenfalls sukkulente Blätter. Zusätzlich sind sie mit einer wachsartigen Schicht überzogen. Eine Hohe Fetthenne (Hylotelephium) wurde hier mit niedrigem Woll-Ziest und Katzenminze im Hintergrund gepflanzt:

Rhizome
Bart-Iris verfügen über fleischige Rhizome, in denen sie Wasser speichern.

Auch die Bleiche Schwertlilie (Iris pallida), hier die Sorte 'Argentea Variegata' mag trockene Böden.

Tipp:
Pflanzen, die trockene Standorte mögen, haben oft Probleme mit winterlicher Nässe. Wichtig ist ein durchlässiger Boden, damit sie keine nassen Füße bekommen.
Damit die Feuchtigkeit im Sommer nicht so schnell verloren geht, ist es sinnvoll, die Beete mit mineralischem Mulch zu bedecken. Er bekommt den Sonnenkindern besser als organischer Mulch wie Hackschnitzel oder Rindenstückchen. Sand, Kies oder Splitt leiten die Feuchtigkeit vom Wurzelhals weg, halten aber die Verdunstung gering.
Hier geht es zum Beitrag "Trockenheitsresistente Pflanzen Teil 1: heimische Stauden und Zweijährige für trockene, sonnige Standorte".
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende.
Herzliche Grüße
eure Susanna




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