Ihr Lieben,
es ist an der Zeit, mal wieder eine Reise in einen berühmten Garten zu unternehmen. Im Juni 2024 haben wir Great Dixter im Süden Englands besucht und ich freue mich, wenn ihr uns dorthin begleitet.

Great Dixter liegt in East Sussex, etwa zwei Autostunden süd-östlich von London in dem Ort Nothiam.
Rund um das ursprünglich im Mittelalter erbaute Haus, das der Architekt Edwin Lutyens Anfang des 20. Jahrhunderts im Auftrag von Nathaniel Lloyd umfangreich restaurierte, liegen die Gärten von Great Dixter. Gemeinsam legten Lloyd, seine Frau Daisy und Lutyens sie an.
Christopher Lloyd, einer der Söhne des Paares, führte die Gestaltung fort, nahm Veränderungen vor und prägte das Gesicht des heute so bekannten Gartens. Dem berühmten Gartengestalter und Autor wird die Erfindung der Mixed Borders zugeschrieben – der Rabatten mit Gehölzen, Rosen, Stauden und ein- und zweijährigen Blumen. Er ist bekannt für seine ungewöhnliche, wirkungsvolle Art, Pflanzen zu verwenden.
Heute gehört das Haus dem Great Dixter Charitable Trust. Seit 1993 ist Fergus Garrett Head Gardener von Great Dixter. Er arbeitete eng mit seinem Freund und Lehrer Christopher Lloyd zusammen und ist seit dessen Tod 2006 Geschäftsführer des Trusts. Er entwickelte die Pflanzungen weiter und experimentiert bis heute mit seinem Team mit Farben, Formen und Texturen und so gibt es jedes Jahr Neues in den Beeten und Gartenräumen zu entdecken.
Front Meadow
Bevor wir zum Haus gelangen, kommen wir durch den ungewöhnlichen "Vorgarten" von Great Dixter. Daisy Lloyd liebte Wiesen mit hohem Gras und legte gleich mehrere auf dem Anwesen an – bis dahin undenkbar für einen gepflegten Garten in England!

Man könnte sie als Erfinderin des heute populären "mähfreien Mai" bezeichnen, denn die mageren Flächen werden erst gemäht, wenn die Samen der Wildblumen reif sind und für Nachwuchs sorgen können. Hier wachsen unter anderem das Fuchs' Knabenkraut ( Dactylorhiza fuchsii), eine wilde Orchidee, (unten rechts auf dem Foto zu sehen), Roter Klee (Trifolium pratense) und Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris). Im Mai beginnen die dunkelblauen Prärielilien (Camassia quamash) zu blühen:

Am Eingang zum Haus
Vor dem Eingang zum Herrenhaus gibt es einen Topfgarten, der von zwei mächtigen Knoten aus Buchsbaum flankiert wird.

Die Pflanzen mit schmückenden Blättern wie Funkien, Bergenien und Schaublatt in den Töpfen werden immer wieder neu arrangiert.

An der Front des Hauses braucht es keine fulminanten Beete, denn die Architektur des mittelalterlichen Hauses beeindruckt und kann für sich stehen:

Auf dem Dach des alten Gemäuers gedeihen Hauswurze.

Im Hintergrund sind die Oasthouses zu sehen, die traditionellen Gebäude zum Darren von Hopfen, von denen drei zu dem Gebäudeensemble gehören.

Wall garden
Im Wall Garden, dem Mauerngarten, gibt es eine weitere Sammlung von Pflanzen in Töpfen. Sie werden in der Gärtnerei vorgezogen und gepflegt und hier platziert, wenn sie am schönsten sind.

In Englands mildem Klima gedeihen die Zimmer-Aralien (Fatsia japonica) dauerhaft ausgepflanzt und wachsen zu stattlichen Exemplaren heran. Sie haben eine tolle architektonische Wirkung und bringen einen Hauch von Exotik in den Garten.

Zu ihren Füßen leuchtet der Waldscheinmohn (Meconopsis cambrica). Er blüht monatelang in sonnigen bis halbschattigen Beeten und versamt sich sehr reichlich, wo er sich wohl fühlt.

Wo ursprünglich einmal ein Rasen war, hat Christopher Lloyd ein Mosaik aus Kieseln einfügen lassen, das seine beiden geliebten Dackel darstellte.

Sunk garden
Wir kommen nun in den Sunk Garden, den Senkgarten, der auf drei Seiten von Mauern von Nebengebäuden begrenzt ist, an der vierten Seite von einer Eibenhecke.


Diesen Gartenteil hat Christopher Lloyds Vater angelegt. In der Mitte befindet sich ein achteckiges Wasserbecken. Nach dem ersten Weltkrieg, in dem dieser Bereich als Gemüsegarten gedient hatte, soll Lloyd gesagt haben: "Jetzt können wir spielen!" und die Gemüsebeete waren Geschichte.

Die Beete quellen über von Stauden, Ein- und Zweijährigen, in deren Anblick man sich verlieren kann. Sie sind so gestaltet, dass sie nicht nur in jeder Jahreszeit beeindrucken, sondern dass die Blütezeiten naht- und lückenlos ineinander übergehen. Mit Pflanzen wie dem früh blühenden einjährigen Silberblatt (Lunaria annua), über Mohn und andere Einjährige bis hin zu den Dahlien im Sommer und Herbst wird kontinuierlich dafür gesorgt, dass keine freien Stellen im Blatt- und Blütenteppich zu sehen sind und immer neue Bilder entstehen.

Rosa Fingerhüte (Digitalis) erheben ihre Blütenkerzen aus dem Laub von Storchschnabel und anderen Nachbarn:

Über wenige Stufen, die man hier im Hintergrund sieht, gelangt man auf die untere Ebene:

Eine Kletterrose erobert die Wand der alten Scheune und bildet einen weichen, natürlich wirkenden Übergang zwischen Garten und Architektur:

Der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) 'Ravenswing' mit schwarzen Stängeln und duftigen weißen Dolden bildet einen eindrucksvollen Kontrast mit dem Gelbgrün der Stängelumfassenden Gelbdolde (Smyrnium perfoliatum). Beide sind zweijährig.

Hier verweben sich Gelbdolde, pinke Byzantinische Gladiole (Gladiolus communis ssp. byzantinus) und Marienkäfer-Mohn (Papaver commutatum) 'Ladybird' zu einer Kombination mit toller Leuchtkraft. (Mehr zu diesen Pflanzen gibt es im Teil 2)

Links im Bild ist die Neuseeländer Iris (Libertia grandiflora) mit grasähnlichen Blättern zu sehen (Zoomt doch mal rein!). Sie ist horstbildend und möchte frische, humusreiche Böden in der Sonne.

Die weißen Blüten erscheinen von Mai bis September und werden bis etwa 60 cm hoch. Sie ist leider nur bis -12° C winterhart.

Das Schaublatt (Rodgersia) bringt mit seinen großen Blättern in warmem Rotbraun Ruhe ins Bild:

Eine Feige wurde als Spalierpflanze fächerförmig an der Scheunenwand gezogen:

Durch den Komplementärkontrast zwischen Violett und Gelb verstärken sich die Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis) und die Gelbdolde gegenseitig in ihrer Wirkung:

Blue Garden
Wir gehen zurück zum Haus und halten uns rechts. Über ein paar Stufen geht es hinunter zum Blue Garden.

An der Treppe hat Edwin Lutyens mit dem Muster der Platten gespielt. Die Sichtsachse führt auf eine Öffnung zwischen zwei Formschnitteiben zu, hinter der der Formschnitt-Rasen liegt. Doch zuerst sehen wir uns kurz hier um. Der Blaue Garten lebt vom Blattschmuck des Riesenrhabarbers (Gunnera), von Hosta, Schaublatt und anderen.

Weit attraktiver als die kleinen Blüten ist das dreieckige Blattwerk des Buntblatt-Knöterichs (Persicaria runcinata) ‘Purple Fantasy’, das hier von Blaublatt-Funkien begleitet wird:

Die Eibe und der Neuseeländer Flachs (Phormium tenax) bringen Struktur in das Grün mit verschiedenen Texturen. Im Hintergrund begrenzt eine Hecke aus Steineiche (Quercus ilex) das Gartenzimmer.

Topiary Lawn
Der Name "Topiary Lawn" (Formschnittrasen) hat sich bis heute gehalten, obwohl sich schon Christopher Lloyd entschied, den Rasen auf dem mageren Boden nicht mehr regelmäßig zu mähen und eine Blumenwiese entstehen zu lassen.

Der Gegensatz zwischen strengem Formschnitt und naturnahem Wachstum der Gräser und Wildkräuter erzeugt eine ganz besondere Stimmung.

Eine ungewöhnliche Kombination aus Schwarz, Weiß und Silbergrau: die Vexiernelke (Silene coronaria) wächst mit Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) 'Ravenswing' im Beet vor vor einem alten Kuhstall.

Der Exotic Garden
Wo einst Edwin Lutyens einen Rosengarten im Schutz von hohen Eibenhecken angelegt hatte, schuf Christopher Lloyd einen exotischen Garten.

Palmen, Bananen und verschiedene Koniferen sind schon von weitem zu sehen.

Hier fühlen wir uns in einen subtropischen Dschungel versetzt, unter dessen Blätterdach wir in eine ganz andere Welt eintauchen.

Diesen Bereich, den Fergus Garrett und Christopher Lloyd gemeinsam anlegten, gestaltet der Headgardener jedes Jahr mit anderen Schwerpunkten: mal mit Farbe, mal filigran und durchsichtig, dann wieder mit dem Schwerpunkt auf Texturkontrasten.

Der Buntblatt-Knöterich (Persicaria microcephala) 'Red Dragon' wirkt mit seinem dunklen Rot als Ruhepol in dem Meer aus Grün:

Die Zimmer-Aralie 'Spider’s Web' mit den weiß panaschierten Blättern hebt sich besonders gut vom Grün der übrigen Pflanzen ab:

Das Beste kommt zum Schluss, heißt es so oft. Dieses Mal müsst ihr auf das Beste leider eine Woche warten, denn es fiel mir schwer, eine Auswahl aus der Fülle der Eindrücke zu treffen und der Beitrag ist jetzt schon lang. Deshalb ist hier für heute Schluss – ihr habt sicher noch etwas anderes vor, als das Wochenende mit mir zu verbringen …
Im nächsten Beitrag nehme ich euch mit in den berühmten Pfauengarten und zur Long Border in Great Dixter. Es ist schön, wenn ihr dann wieder mit dabei seid!
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende,
herzliche Grüße
eure Susanna




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