Ihr Lieben,
erstens kommt es anders …
Ich hatte schon länger die Blumenzwiebelrundreise um Groningen auf meiner Liste der Gartenziele. Als dann eine Busreise dorthin zur Schneeglöckchenblüte angeboten wurde, habe ich den besten Ehemann von allen und mich angemeldet, ohne lange zu zögern. Bei unseren niederländischen Nachbarn ist es normalerweise milder als bei uns und um diese Zeit sollte es im Tuinfleur ein Meer aus weißen Glöckchen geben. Ausgerechnet dieser Winter war dort deutlich kälter als sonst und als wir ankamen, blühten nur wenige frühe Schneeglöckchen.
Ich finde den winterlichen Garten von Rika und Pieter van Delden dennoch sehenswert und einige Gestaltungsaspekte werden jetzt besonders deutlich.

Der Garten Tuinfleur liegt in Oostwold in den Niederlanden, etwa 40 km östlich von Groningen am Oldambtmeer. Auf ca. 6000 qm haben sich Rika und Pieter ein Gartenparadies geschaffen, das in 12 verschiedene Bereiche aufgeteilt ist. Dort finden sich unter anderem Staudenrabatten in fröhlichen Farben, ein Heckengarten, ein Bereich mit einer Sammlung von über 600 verschiedenen Hosta sowie ein Raritätengarten, in dem sich Besonderheiten wohl fühlen, die im Schatten gedeihen. Es gibt 100 verschiedene Farne und viele Primeln.
Weshalb wir aber eigentlich gekommen sind, sind die 10 000 Schneeglöckchen in 160 Arten und Sorten! Schon seit Jahren gibt es in dem Garten Schneeglöckchentage, die Scharen von Besuchern begeistern.
Blumenzwiebelrundreise in Groningen
Die van Deldens haben sich mit drei anderen Privatgärten in ihrer Gegend zur "Groninger Bloembollenroute", der Blumenzwiebelrundreise um Groningen, zusammengetan. Sie bieten schon zur Blüte der Schneeglöckchen, Frühlings-Alpenveilchen und Krokusse gemeinsame Öffnungszeiten an, sodass sie alle an einem Tag besucht werden können.
Am letzten Sonntag im Februar und am ersten und zweiten Sonntag im März finden die Schneeglöckchen- und Krokussonntage jeweils von 11 bis 17 Uhr statt.
Schon am Eingang ist Rikas Liebe zu den kleinen Frühblühern zu erkennen. In großen Vasen und auf Plakaten mit ihren Porträts begrüßen sie uns:

In einem schlichten Holzregal kommen die "Schneeglückchen" in kleinen Töpfchen gut zur Geltung:

In weiteren Gefäßen wurden Blütenskimmien (Skimmia japonica 'Rubella') und Lenzrosen auf den Stufen zum Eingang arrangiert:

Schlichte Kränze, dafür aber gleich zu mehreren, schmücken das Wohnhaus, in dem uns Rika van Delden begrüßt.

Passend zu ihrer Leidenschaft ist die quirlige, fröhliche Gärtnerin in eine Strickjacke mit den weißen Blüten ihrer Lieblinge gekleidet und auch ihre Mütze zeigt, dass sie mit Schneeglöckchen "etwas am Hut" hat.

Rika van Deldens Freude am Gärtnern ist deutlich zu spüren, wenn sie über ihre Pflanzenfavoriten spricht und ihre Begeisterung steckt an.

Nach einem leckeren Mittagsbuffet, von Pieter van Delden zubereitet, gab es zunächst die Gelegenheit, im Verkaufsraum Schneeglöckchen und ausgewählte Lenzrosen (Helleborus x hybridus) für zu Hause zu erwerben.

Gelbe Lenzrosen standen schon länger auf meiner Möchte-ich-haben-Liste und so mussten zwei davon mit zu uns nach Hause.

Rika sammelt nicht nur die unterschiedlichen Schneeglöckchen, sondern von der Tasse über Ostereier bis zu Gummistiefeln alles, was damit bedruckt oder bemalt ist. Diese Dinge gibt es nur im Vorfrühling, was die Möglichkeiten ihrer Sammelleidenschaft zeitlich begrenzt. Dass sie nicht das ganze Jahr über weitere Artikel kaufen kann, macht es etwas billiger, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Aber nun geht es endlich in den Garten. Gleich im ersten Gartenzimmer wartet eine der gekonnt gestalteten Sichtachsen auf uns, die links und rechts von Eibenkugeln und zu schlanken Säulen geschnittenen Gehölzen begleitet wird. Hohe Pflanzgefäße dienen als Blickpunkte, auf denen das Auge ruhen kann.


Sie haben eine ordentliche Größe, denn bei den van Deldens wird auch bei Deko nicht gekleckert:

"Schneeglöckchen möchten trockenen Boden", erklärt Rika, deshalb hat sie sie unter die Hecken gesetzt, wo die Buchen dem Boden mit ihrem Wurzelwerk das Wasser entziehen.

Wo sie dichte Gruppen gebildet haben, hat sie sie aufgenommen und geteilt und so mit der Zeit überall im Garten verteilt. Die nach ihr benannte Sorte 'Lovely Rika', ein aufrechtes Pflänzchen mit kleinen Glöckchen, blühte leider noch nicht.

Den Durchgang zum nächsten Raum betonen akkurat geschnittene Eibenquader. Sie lassen nur eine kleine Öffnung in der Hecke, so bleibt es spannend, was uns dahinter erwartet.

Hier gibt es einen Naturteich, in dem noch eine Eisschicht liegt, während bei uns zu Hause alles schon aufgetaut ist. Rundherum führen Wege durch die Beete. Stellt euch vor, wie hier in zwei Wochen nicht nur unzählige Schneeglöckchen blühen, sondern später zwischen Hosta und anderen austreibenden Stauden Muscari, Scilla, Chionodoxa, Narzissen, Tulpen, Allium und Knotenblumen!

Auf der Mauer hat es sich eine Frauenfigur bequem gemacht und träumt vermutlich vom Frühling:

Ein weiteres Zimmer hat gepflasterte Wege zwischen Rasenflächen und in der Mitte einen Sitzplatz. Die Buchen halten das Laub den ganzen Winter über und bei Sonnenschein haben sie ein warmes Braun, das durchaus Farbe in den winterlichen Garten bringt.
Die Formschnittelemente strukturieren die noch fast leeren Gartenräume.

Überdimensionale Schneeglöckchenblüten bilden mit ihrem Weiß einen kräftigen Kontrast zu den schwarzen, länglichen Blättern des Schwarzen Schlangenbartes (Ophiopogon planiscapus 'Nigrescens'):

Auf dem Tisch und an den Seiten stehen wieder Töpfe voller Blumenzwiebeln:

Geschlungene Wege führen durch den Mäandergarten mit dem offenen Gartenhäuschen und besonderen Sträuchern und Bäumen. Rika mag besonders den Judasbaum (Cercis). Sie hat einen panaschierten, einen weiß blühenden und einen in Rosa. Unter den Gehölzen wachsen verschiedenste Funkien (Hosta) und schattenverträgliche Raritäten. In diesem Bereich hatten ihre Kinder früher ihren Fußballplatz, erzählt uns Rika. Damals gab es hier noch keine Bäume. Sie hat die verschiedenen Räume nach und nach gestaltet.

Auch der überdachte Sitzplatz ist geschmackvoll dekoriert und ein Poster zeigt verschiedene Galanthussorten:

Viele Horste der Lilientraube (Liriope muscari) sorgen im Winter für Grün. Die Lilientraube bringt mit ihren blau-violetten Blüten von August bis Oktober Farbe in den Garten. Sie erinnern an die Blüten der Perlhyazinthen (Muscari armeniacum), daher der Artname. Im zweiten Bild seht ihr sie zur Blütezeit (klickt gerne mal rein!):


Ein weiterer langgestreckter Raum wird von einem formalen Wasserbecken geprägt. An Rankgerüsten wachsen Geißblätter (Lonicera) empor, die später duftende Blüten tragen.

Im Wasser schwimmen Behälter mit den Zwiebeln von Sommer-Knotenblumen (Leucojum aestivum), den großen Schwestern der Märzenbecher. Sie blühen erst im Mai und Juni und vertragen auch nassen Boden. So kam Rika auf die Idee, das Becken mit ihnen zu bestücken. Nach der Blüte nimmt sie die Zwiebeln wieder heraus.

Der Bachlauf im darauf folgenden Gartenzimmer hat eine natürlich wirkende Form und ist von Märzenbechern (Leucojum vernum) gesäumt, die leider auch noch nicht blühen. Drumherum wächst Rikas Sammlung von Farnen.

Einige der besonderen Schneeglöckchen hat Rika unter bestimmte Bäume gesetzt. So weiß sie, welche Sorte wo wächst. Immer wieder begegnen wir kleinen Tuffs, die schon ihre Blüten geöffnet haben.

Auf diesem Foto sieht man verschiedene Schneeglöckchen im Größenvergleich:

Hier und da sind schon die Lenzrosen zu sehen, die Rika im Dezember schneidet. Sie mag es, wenn sie zur Blütezeit blattlos sind und durch den frühen Schnitt besteht nicht die Gefahr, die Blütenstängel mit abzuschneiden.


Einige Frühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) sind auch zu sehen, doch ebenso …

… wie die Winterlinge (Eranthis hyemalis) breiten sie sich nicht so sehr aus, denn sie mögen lieber kalkhaltigen Boden als den eher sauren Boden im Garten der van Deldens.

Der Duft-Seidelbast (Daphne odora) hat blassrosa Blüten und immergrüne Blätter mit leichtem Glanz.

Mit den quer stehenden Hecken und dem Rankgerüst dahinter scheint der Garten zu enden.

Über ein paar Stufen an beiden Seiten der Hecke gelangen wir jedoch auf einen großzügigen Sitzplatz, der von einer Pergola mit Blauregen (Wisteria) überspannt wird. Wie schön muss es sein, wenn hier die blau-violetten Blüten herabhängen!

Von hier oben können wir über den hinteren Gartenteil und den Deich bis zum Oldambtmeer schauen. Dieses künstliche Gewässer gehört zum Wohn- und Erholungsprojekt Blauwestad, das auch als Ziel für Touristen mit einer wunderschönen Landschaft und einer reichen Tier- und Pflanzenwelt einlädt.
Für die schwarzen Matten auf dem Rasen entschuldigte sich Rika. Am nächsten Tag hatte sie den Garten für jedermann geöffnet und erwartete einen großen Besucherandrang. Ohne diesen Schutz auf dem aufgeweichten Rasen würde die Grasnarbe das nicht überstehen.

Ein langgezogener Heckengarten wird von Formschnittelementen aus Buche zu beiden Seiten gegliedert. 3,5 Kilometer Buchenhecke (!) schneidet Pieter dreimal im Jahr in Form. Seine Tochter ist Friseurin, das muss sie wohl von ihm haben, meint er schmunzelnd.

Auch wellenförmige Hecken sind darunter. Pieter ist da gerne kreativ.

Durch die Mitte zieht sich ein langes Band mit Gräsern und Stauden.

Eine riesige Calla in Rostoptik markiert als Blickpunkt das Ende der Sichtachse:

Hinter der Wandscheibe versteckt gibt es noch einen weiteren Durchgang und nun gelangen wir tatsächlich ans Ende des Gartens, wo passend zur Nähe zum Deich Zartes Federgras (Nassella tenuissima) zu Füßen einiger schlanker Gehölze weiche Wellen schlägt:

Auf dem Rückweg gehen wir am gegenüberliegenden Ende der Sichtachse auf eine Bank zu, die hier als Fokuspunkt steht.

Den hellen Teil mit dem Schneeglöckchen in der Rückenlehne hat Pieter so befestigt, dass man ihn austauschen kann. Im Sommer schmückt sie ein anderes Motiv.

Nach einem letzten Blick auf eines der hübschen Topfarrangements im Verkaufsbereich verabschieden wir uns von den van Deldens und ihrem Tuinfleur.

Der Garten ist leider nur noch in diesem Jahr (2026) geöffnet. Rika und Pieter fühlen sich verpflichtet, den Garten immer tipptopp zu präsentieren, wenn Besucher kommen. Sie werden nicht jünger und wenn einer von ihnen einmal aus gesundheitlichen Gründen ausfallen sollte, stünde der andere allein vor dieser für zwei schon großen Aufgabe.
Ihr könnt den Tuinfleur an jedem Sonntag von März bis September von 11 bis 17 Uhr und nach Absprache zu anderen Terminen besuchen.
Weitere Informationen zu den Gärten der Bloembollenroute findet ihr auf der Webseite der offenen Gärten Nordwest-Niedersachsen, Provinzen Groningen und Drenthe.
Herzlichen Dank für die Führung durch euren vielseitigen und kreativ gestalteten Garten, liebe Rika und lieber Pieter! Ich möchte unbedingt noch einmal wiederkommen, um den Garten in seiner vollen Pracht zwischen April und September zu sehen. Es sind ja auch noch viele Tulpen gepflanzt worden und ich bin besonders neugierig auf die Raritäten und die vielen Farne.
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße
eure Susanna




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