Ihr Lieben,
heute sehen wir uns die Long Border und den Pfauengarten von Great Dixter an, meine absoluten Highlights in dem berühmten Garten von Christopher Lloyd.
Wir gehen vom exotischen Garten aus noch einmal ein Stück über die Formschnittwiese – ihr erinnert euch?

Die berühmte Long Border in Great Dixter
Auf der Rückseite des Herrenhauses
Über die Wiese gelangen wir an eine geschwungene doppelte Treppe, die uns auf die Rückseite des Herrenhauses führt und deutlich macht: Hier kommt etwas Neues!

Hier beginnt der untere Teil der Long Border. Der Weg führt oberhalb der Wiese auf der Natursteinmauer am Gebäude entlang.

Mittelmeer-Wolfsmilch (Euphorbia characias subsp. wulfenii) und eine üppige Zistrose (Cistus) leuchten uns entgegen.

Überall sprießt es aus den Fugen der Mauer, und an ihrem Fuß wachsen weitere Stauden. Zwischen der "wilden" Wiese und diesem Streifen ist der Rasen gemäht, um die Pflanzen hervorzuheben und dem Auge eine einheitliche Fläche zum Ausruhen zu geben:

Mexikanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus) und Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) bilden ein charmantes Duo:

Ist das nicht ein Prachtexemplar? Die magentafarbene Zistrose hat die für die Gattung typische, an dünnes, leicht geknittertes Papier erinnernde Blütentextur:

Der Weg ist so breit angelegt, dass die Pflanzen großzügig hineinschwingen können.

Die pinke Byzantinische Gladiole (Gladiolus communis ssp. byzantinus) nimmt die Farbe der Zistrose wieder auf. Sie blüht im Juni und Juli an sonnigen Plätzen mit trockenem bis frischem Boden und ist bis etwa 17° C winterhart. In rauen Lagen sollte sie einen Winterschutz bekommen.

Sehr viel schlichter als die bekannte Lutyens-Bank mit der geschwungenen Lehne ist die einfache Bank, ebenfalls von ihm entworfen. Sie passt zum Stil des Hauses und räumt den Pflanzen die gesamte Aufmerksamkeit ein.

Überbordende Fülle in der Mixed Border
Und nun gibt es kein Halten mehr! Die Long Border mit ihren atemberaubenden Farben liegt vor uns. Christopher Lloyd wollte einen üppig blühenden Teppich, in dem sich die Pflanzen in einem natürlich wirkenden Bild miteinander verweben.

Die gelben Lupinen passen perfekt zu ihren gelblaubigen Nachbarn, während die pinken Blütenkerzen das Farbspektrum in der selben Blütenform erweitern:

Die Long Border wird durch die feinen Dolden des Wiesen-Kerbels, hier die Art, als "Weichzeichner" aufgelockert:

Die Byzantinische Gladiole wird in ihrer Leuchtkraft von der Stängelumfassenden Gelbdolde verstärkt:

Eine streng in Form gehaltene Eibenhecke bildet einen ruhigen Hintergrund für die überbordende Fülle. Das feine Laub des Fenchels (Foeniculum vulgare) 'Rubrum' am vorderen Bildrand nimmt das Dunkle Grün wieder auf. Später in der Saison werden seine Blütendolden und die Samenstände wie Ausrufezeichen über ihren Beetnachbarn schweben.

Der Marienkäfer-Mohn (Papaver commutatum) 'Ladybird' leuchtet an diesem bedeckten Tag besonders schön. ('Ladybird' ist ein englischer Name für den Marienkäfer.)

Ich finde, der Name "Marienkäfer-Mohn" passt perfekt zu dem Knallrot mit den schwarzen Klecksen.

Welch ein Farbspektakel! Es knistert förmlich zwischen Rot und Magenta vor dem hellen Gelbgrün der Gelbdolde! Die wenigen weißen Dolden erfrischen das Bild.

Und weil es so schön ist, noch einmal aus der Nähe:

Ein Blick zurück: Das Herrenhaus haben wir längst hinter uns gelassen.

Das Rot des Perückenstrauches (Cotinus coggygria) und die rötlichen Samenstände der Silberlinge (Lunaria annua, unten rechts) ergänzen sich gut mit dem Mohn:

Das Strauchige Brandkraut (Phlomis fruticosa), ein mediterraner Strauch aus dem Mittelmeerraum, hat sich im milden Klima Südenglands gut entwickelt:

Es wird etwa1m hoch und blüht im Juni/Juli. Es ist nur bedingt winterhart und gedeiht in milden Gegenden an geschützten Orten. In ihrer Heimat ist die Pflanze mit den grauen, unterseits behaarten Blättern immergrün, bei uns friert sie dagegen zurück und treibt jährlich neu aus. Sie möchte einen sonnigen Platz auf trockenem, durchlässigem Boden und kann ausladend werden, wenn ihr die Bedingungen zusagen.

Die Blütenquirle und ihre Anordnung an den Stängeln können ihre Verwandschaft mit dem Syrischen Brandkraut (Phlomis russeliana) kaum verleugnen:

Vor einem hellgrünen und einem rotlaubigen Zier-Ahorn erheben rosa Fingerhüte ihre Blütenkerzen:

Eine Palmlilie (Yucca) bringt mit ihren breiten schwertförmigen Blättern Struktur in die Rabatte mit viel kleinteiligem Laub:

High Garden
Nun geht es einige Stufen nach oben durch ein mächtiges Eibentor in den High Garden.

Stattliche Artischocken heben sich mit ihrem grauen Laub von den Eiben (Taxus baccata) ab.

Und noch einmal graugrünes Blattwerk: Dieses gehört zum Schlafmohn (Papaver somniferum) und lässt den violetten Braunen Storchschnabel (Geranium phaeum) gut zur Geltung kommen. Wie schade, dass es bei uns nur mit einer kostspieligen Sondergenehmigung erlaubt ist, den Schlafmohn zu kultivieren. Es gibt sooo hübsche Sorten!

Ein rosa Geißblatt (Lonicera) umtanzt den rotlaubigen Judasbaum (Cercis) mit den hübschen herzförmigen Blättern:

In diesem Bereich sorgen die violetten Blütenwolken der Gewöhnlichen Nachtviole (Hesperis matronalis) für Wiederholung. Die Zweijährige bis kurzlebige Pflanze hat eine lange Blütezeit von Mai bis Juli und gedeiht an sonnigen bis halbschattigen Plätzen mit frischem Boden. Sie erhält sich wo es ihr gefällt durch Selbstaussaat und duftet vor allem in den Abendstunden.

Zu den rundlichen Blütenständen passen die weißen Fingerhüte (Digitalis):

Die imposanten Blütenstände des Riesenfenchels (Ferula communis) erheben sich über den Beeten. Er blüht von Juni bis August und wird locker 2 m hoch. Leider ist das mediterrane Gewächs nicht zuverlässig winterhart und gedeiht nur in sehr milden Gebieten.

Es setzt Akzente in den Beeten und bildet einen perfekten Kontrast zum Violett der Hesperis:

Peacock Garden
Schließlich finden wir uns in dem Teil wieder, der wohl den meisten Gartenfreunden als Erstes einfällt, wenn es um Great Dixter geht, dem Pfauengarten (englisch Peacock Garden), der seinen Namen von den akkurat geformten Vögeln aus Eibe hat. Nathaniel Lloyd hatte ein Faible für den Formschnitt, der den Garten bis heute prägt.

Die Pfauen thronen auf hohen, breiten Säulen. Die Mittelmeer- oder Palisaden-Wolfsmilch fühlt sich hier offensichtlich wohl. Sie hat sich kleine Lücken für ihre Sämlinge gesucht und ihre Hochblätter geben diesem Bereich Farbe:

Im Hintergrund ist noch einmal ein Teil der markanten Fassade mit den hellen und dunklen Streifen zu sehen:

Duftige Gräser und Margeriten umspielen die strengen Formen:

Und noch einmal der Riesenfenchel als Ausrufezeichen über dem Peacock Garden:

Gärtnerei
In den Gewächshäusern und Frühbeeten der Gärtnerei werden Stauden und ein- und zweijährige Pflanzen für den Garten herangezogen.

Hier werden auch einige Pflanzen zum Verkauf angeboten.

Selbst die Gießkannen, die nicht nur zur Zierde hier stehen, geben in Great Dixter ein schönes Bild ab!


Mit dem zutraulichen Rotkehlchen verabschieden wir uns nun aus dem Süden Englands. Wenn ihr den voriger Beitrag verpasst habt, findet ihr ihn hier: Gartenreise England: Besuch in Great Dixter Teil 1
Wie immer freue ich mich, wenn ihr euch die Zeit nehmt, mir unten einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wünsche euch wunderschöne Ostertage,
herzliche Grüße
eure Susanna





12 Kommentare
guten Morgen liebe Susanna,
erst einmal : Dir und Deinen Lieben schöne Ostern und schöne Feiertage, das Wetter ist ja nun richtig super geworden.
Dein zweiter Teil über Great Dixter ist natürlich so herrlich wie der erste Teil (vielleicht gibt es noch irgendwann einen dritten?)
Jetzt kann ich nochmals meine Erinnerungen auffrischen, sehr schön die halbrunden Steintreppen und die Steinmauern. Aber es ist einfach Alles dort schön. Ich hätte nichts auszusetzen.
Jetzt erinnere ich mich an die vielen Pflanzen-Inspirationen, die ich von Great Dixter mitgebracht habe und Einiges hat sich wirklich gut bewährt bei uns, manches auch nicht, aber ein Garten ist immer "Try and Error" 🙂
Mehrjährigen Fenchel habe ich bei uns sehr gut etabliert (leider nicht den Riesenfenchel, Ferula Communis, der braucht natürlich wieder einen Spezialplatz, und diese Plätze sind alle belegt) – die byzanthinische Gladiole ist sehr dankbar und kommt immer wieder jedes Jahr – 2 große Zistrosen habe ich im Kübel, gut zu überwintern im kalten Teehaus – das strauchige Brandkraut genauso, hält es auch im kalten/frostigen Teehaus aus – das mexikanische Gänseblümchen will leider nicht bei uns bleiben, ich kenne aber eine Stelle bei uns in der Stadt, da wächst es aus allen Mauerfugen – das Zymbelkraut habe ich erfolgreich angesiedelt, sehr sehr dankbar, liebt es auch aus Treppen und Mauerritzen zu kriechen, es besiedelt alle Freiflächen, wird mir aber nie lästig – Lupinen wurden immer zum Schneckenopfer, wachsen aber nun in einem Riesenkübel unbeschadet – bei der Artischocke handelt es sich glaube ich um die kleine Schwester, die Cardy – nicht zu schaffen bei uns, mehrmals ausprobiert – sehr schade, die finde ich so toll und in englischen Gärten sieht man sie sehr oft – die Nachtviole wächst bei uns überall, sie ist sehr aussamungsfreudig (was uns aber wiederum freut, dieses violett und der Duft sind umwerfend).
Das Gesamterscheinungsbild des Gartens von Great Dixter ist natürlich unerreichbar, ich wünschte, wir hätten die entsprechenden Gärtner oder Gartenhelfer. Aber wie ich schon mal früher erwähnt hatte: es ist auch toll, ein großes Vorbild zu haben.
Auf dem letzten Bild über die Osterdekoration, da steht eine Tonschale mit Früchten,
etwas Ähnliches, aber flacher, habe ich letzte Woche auf einem Flohmarkt gefunden (eigentlich geschenkt).
Da sie kein Loch hat und so flach ist, dass Tiere nicht ertrinken können, steht sie nun im Garten als Vogeltränke.
Ich freue mich auf die Gartenarbeit in den nächsten Tagen bei warmem sonnigen Wetter.
Viele Gartengrüße von Bernd
Da bin ich fast ein bisschen neidisch auf deine Möglichkeiten, solche tollen empfindlicheren Pflanzen zu kultivieren, lieber Bernd, aber ich gönne es dir von Herzen.
Lupinen habe ich mehrfach an- und wieder abgeschafft. Mein Vater liebte sie und sie waren eine schöne Erinnerung, nur leider immer wieder von den Schnecken ramponiert. Sie in ein Gefäß zu setzen ist eine tolle Idee. Ich hab da noch eine alte Zinkwanne. Dankeschön für die Idee.
Wieder so ein toller Flohmarktfund, wunderbar!
Herzliche Grüße und viel Freude am österlichen Garten
Susanna
Liebe Susanna,
was für eine Pracht ! Du hast nicht zu viel versprochen, man kann sich gar nicht satt sehen an dieser Üppigkeit. Da steckt so viel Gartenwissen und Gärtnerarbeit dahinter, es ist einfach grandios.
Wie habt ihr das geschafft, dass keine Besucher auf den Bildern zu sehen sind ?
Lieber Gruß und schöne Feiertage
Inge
Da gehen Wissen und Kreativität Hand in Hand, liebe Inge, um solche beeindruckenden Pflanzenbilder zu malen.
Ich war tatsächlich selbst überrascht, immer wieder Lücken zu finden, in denen ich ohne Menschen fotografieren konnte. Manchmal haben wir Glück!
Ich wünsche dir auch schöne Ostern,
liebe Grüße
Susanna
Liebe Susanna,
ganz lieben Dank fürs Mitnehmen. Irgendwann schaffe ich es auch mal dorthin. Der Garten ist wirklich ein Traum.
Mich persönlich begeistern vor allem immer wieder Strukturen, wie die beiden geschwungenen Treppen und das Eibentor. Sie sind es, die den Garten zu jeder Jahreszeit schön aussehen lassen.
Natürlich gefällt mir auch die Pflanzung ganz besonders gut. Die byzantinischen Gladiolen kannte ich noch gar nicht. Herrlich, wie sie leuchten.
Die Mischung aus Zimbelkraut und spanischem Gänseblümchen lässt mein Herz hüpfen. Das sieht so süß aus, wie sich die kleinen Blüten miteinander verweben.
Ich wünsche dir auch frohe Ostern, eine schöne Zeit, und sende dir ganz liebe Grüße, eva
Ich wünsche dir von Herzen, dass du Great Dixter einmal persönlich besuchen kannst,
liebe Eva. Die hübsche Gladiole habe ich letztes Jahr gepflanzt, doch leider ist nur wenig davon gekommen. Zu nass, zu kalt, zu wühlmausig? Ich werde es unbedingt wieder versuchen.
Herzliche Grüße
Susanna
Was für ein beeindruckender Garten!
Schon der erste Teil deines Beitrags hat mich sehr begeistert, liebe Susanna. Aber diese Impressionen sind prägend. Ganz besondere Beetkompositionen, die ich so noch nicht gesehen habe werden im Gedächtnis bleiben. Und das nur, über deine Bilder und Beschreibungen. Wie mag es da dir gehen, die du diesen zauberhaften Garten real „bewandern“ durftest?
Herzlichen Dank für‘s Mitnehmen und liebes Grüssleeeee Caro
Selbst dort zu stehen war schon überwältigend, liebe Caro und es fiel mir schwer, mich loszureißen. Ich hätte noch stundenlang stehen und staunen können. Die Kombinationen waren so besonders.
Herzliche Grüße und frohe Ostern
Susanna
Die Long Border ist wirklich wunderschön und du hast wirklich tolle Bilder mitgebracht. Der "Marienkäfer-Mohn" leuchtet traumhaft und auch die Lupinen mag ich sehr. Hübsch finde ich auch die geschwungene Treppe mit den akkurat gemähten Stufen und dem wilden Bewuchs. Ich versuche ja meinen Mann schon mit einer größeren Wildblumenwiese zu überzeugen, dass er dann viel weniger mähen müsste. Mit den Fotos wird mir das womöglich gelingen 😊.
Liebe Grüße!
Der Mohn hat es mir auch angetan, Vanessa! Ich drücke dir die Daumen, dass wir dich mit unseren Fotos unterstützen können!
Liebe Grüße und frohe Ostern
Susanna
Hallo Susanna,
hach, wieder so viel schöner Kerbel in den Beeten!
Ob die Stängelumfassende Gelbdolde bei denen auch 5 Jahre bis zur Blüte braucht wie meine oder ob es eine andere Art ist als meine?
Schöne Ostern!
Elke
Der Kerbel ist s o schön, Elke! Meine Versuche mit den duftigen Wölkchen sind an den Schnecken gescheitert. Die Gelbdolde ist eigentlich zweijährig …🤔
Dir auch frohe Ostertage,
viele Grüße
Susanna